Im Brauhaus in Wanfried organisiert Wirtin Birgit Heide jeden Monat Livemusik-Auftritte und will bald ihr eigenes Bier brauen

„Wir müssen Gästen heute etwas bieten“

Ursprünglich wollte Birgit Heide Kommunikationswirtin werden. Das Studium hat sie abgebrochen, um als Wirtin zu kommunizieren. Eine gute Entscheidung, wie sie findet. „Ich brauche einfach den Umgang mit Menschen.“ Foto:  Stück

Wanfried. Wenn im Wanfrieder Brauhaus schlechtes Bier gebraut oder ausgeschenkt wurde, kam gelegentlich schon mal die Polizei in der Gaststätte vorbei. Die Beamten mussten prüfen, ob das Gebräu wirklich in schlechtem Zustand war. Vorher durfte das Bier nicht gezapft werden. Das für schlecht befundene Bier wurde billiger verkauft oder an das Vieh verfüttert. Der schuldige Brauer wurde bestraft.

Um solche Repressalien muss sich Birgit Heide heute keine Gedanken mehr machen. Denn diese Prüfungen liegen 400 Jahre zurück. Seit zweieinhalb Jahren ist die 31-Jährige Eigentümerin des Brauhauses, eines der ältesten Gasthäuser in Wanfried. Seitdem hat sich die Kneipe vollkommen gewandelt. In Eigenleistung haben Birgit Heide und ihr Lebensgefährte die Kneipe modernisiert. Das Mobiliar wurde ausgetauscht, ein neuer Boden verlegt. Die Wände wurden neu gestrichen, im Hof ist ein Biergarten entstanden. Alle Toiletten sind neu. „Ich kann jetzt sogar Fliesen legen“, sagt Birgit Heide, die sich vor der Arbeit nicht gescheut hat. Als Nächstes soll auch die Fassade einen neuen Anstrich bekommen. „Damit man auch von außen sieht, dass sich innen etwas getan hat“, findet die Wirtin.

Und auch programmatisch hat sich viel verändert. Jeden Monat werden demnächst mehrere Aktionen stattfinden (lesen Sie dazu auch den Kasten rechts). Livemusik mit dem Liedermacher Rüdiger Bierhorst, Rock mit Via Rocca, Johnny-Cash-Musik mit den Cashbags oder Irish Folk mit der Wanfrieder Band Limerick stehen in den kommenden Monaten an. „Ich versuche verschiedene Zielgruppen anzusprechen und denen muss man etwas bieten“, erklärt Birgit Heide ihr Konzept. Darts, Billard und Brettspiele genügen nicht mehr. Von den Gästen, die ab 17 Uhr ihr Bier trinken, kann sie nicht überleben. Das Ausgehverhalten habe sich geändert, ein Abend in der Kneipe sei nicht mehr selbstverständlich. Nur am Abend des Weihnachtsmarktes, wenn alle Wanfrieder in die Kneipen ausströmen, brummt es richtig.

Das Innere des Brauhauses mutet mittlerweile wie das eines irischen Pubs an. Dunkles Holz vermittelt Gemütlichkeit. Jeden Freitag wird es sogar richtig melodisch. Dann treffen sich Musiker zur Jam Session, um irische Musik zu spielen. Gitarren, ein Akkordeon und eine Mundharmonika sind regelmäßig dabei. „Wir freuen uns über jeden, der noch ein weiteres Instrument dazufügt“, sagt Birgit Heide. Die Jam-Session ist zu einem Geheimtipp geworden, immer mehr Gäste kommen zum Zuhören.

Einen Traum hat Birgit Heide noch. Sie möchte ihr eigenes Bier brauen. Auf dem Haus liege wohl auch eine Braugenehmigung. Sollte sich das bewahrheiten, will sie ihr eigenes Bier herstellen. In der Hoffnung, dass ihr Bier nicht an das Vieh verfüttert wird.

Von Tobias Stück

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