Wolfgang Lieberknecht will ein deutsch-russisches Friedensforum organisieren

Begeisterten beim Konzert vor zwei Jahren: Unter dem Motto „Wan(n)Fried(en)“ traten die Musiker des Blasorchesters aus dem russischen Istra im September 2014 in Wanfried auf. In diesem Jahr kommt das Orchester erneut. Foto: Archiv

Wanfried. Ein Zeichen für den Frieden setzen möchte der Wanfrieder Friedensaktivist Wolfgang Lieberknecht. Vom 7. bis 9. September wird das Blasorchester aus Istra, einer Kleinstadt 56 Kilometer von der russischen Hauptstadt Moskau entfernt, erneut in Wanfried zu Gast sein.

Unter dem Motto „Wan(n)Fried(en)“ hatten die Musiker aus Istra bereits im September vor zwei Jahren in Wanfried ein Konzert gegeben. Diese Gelegenheit möchte Lieberknecht nutzen, um ein deutsch-russisches Friedensforum abzuhalten. Dazu hat der 64-Jährige bereits einige Persönlichkeiten angeschrieben, die Vorträge oder Workshops rund um die deutsch-russischen Beziehungen anbieten könnten. „Bislang gibt es noch kein konkretes Programm, wir hoffen auch noch auf Menschen, die sich kreativ und organisatorisch mit in die Planungen einbringen wollen“, sagt Lieberknecht. Besonders schön fände er es, wenn auch russische Spätaussiedler sich beteiligen würden.

Lieberknecht kritisiert die Truppenstationierung der Nato direkt an der russischen Grenze: „Das ist eine reine Provokation. Die Situation dort kann jederzeit eskalieren“, warnt der 64-Jährige. Er erinnert daran, dass Gesamtdeutschland damals nur in die Nato eintreten durfte, weil das Versprechen gegeben wurde, dass das Militärbündnis keinen Zentimeter weiter Richtung Russland vorrückt. „Ich fühle mich total verraten von den deutschen und US-amerikanischen Politikern, die derzeit die Stationierung der Nato-Truppen an der russischen Grenze forcieren und uns alle damit in eine große Gefahr bringen“, sagt Lieberknecht.

Während des Kalten Krieges habe die Weltgemeinschaft bereits zweimal ganz knapp vor einem Atomkrieg gestanden - 1962 während der Kuba-Krise und 1983 wegen eines Missverständnisses während einer Nato-Truppenübung in Deutschland. An die beklemmende Situation 1962 kann sich Lieberknecht, damals zehn Jahre alt, noch sehr gut erinnern. „Es war totenstill in Wanfried und ein älterer Mann sagte zu mir ‘Jederzeit kann der Atomkrieg losgehen’. Das war sehr beängstigend.“

Damit so etwas nicht wieder passiert, möchte Lieberknecht mit dem Friedensforum ein Symbol setzen: „Wir Bürger müssen gemeinsam und lautstark eine Politik fordern, die diese Eskalationsspirale beendet.“ Das wichtigste dafür sei es, dass die Bürger der beiden Nationen aufeinandertreffen und sich austauschen, um so die Völkerfreundschaft zwischen Deutschland und Russland zu fördern: „Auf die Machtelite darf man sich nicht verlassen“, sagt Lieberknecht deutlich. Einige Aktionen dazu würden bereits oranisiert: So finde beispielsweise vom 7. bis 21. August eine Friedensfahrt von Berlin nach Moskau statt, die der Friedensforscher Prof. Dr. Rainer Rothfuss mitorganisiert. Ebenfalls als sehr positives Zeichen sieht Lieberknecht den Friedensmarsch, der derzeit in der Ukraine stattfindet: „Dort laufen Zehntausende Christen - und ständig werden es mehr - in einer Prozession auf Kiew zu und verbreiten den Wunsch nach Frieden.“ Am Mittwoch, 27. Juli, soll die Prozession in Kiew ankommen.

Werkstatt für Demokratie Wanfried

Wolfgang Lieberknecht von der Initiative Black and White arbeitet derzeit am Aufbau des Friedenszentrums „Demokratie Werkstatt Wanfried“ und sucht dafür ebenfalls noch Mitstreiter. Derzeit ist Werner Labs (66) vom Friedensforum in Dühren zu Gast, um Lieberknecht dabei zu unterstützen. Wer sich ebenfalls in der Demokratie-Werkstatt oder am Friedensforum im September organisatorisch und kreativ einbringen möchte oder wer den russischen Gästen des Blasorchesters aus Istra für zwei Nächte eine Unterkunft anbieten kann, der kann sich gerne bei Wolfgang Lieberknecht melden: Bahnhofstraße 15, 37281 Wanfried, Tel. 0 56 55/92 49 81, E-Mail: b.u.w@gmx.net.

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