Kinder und Jugendliche gewinnen tiergestützte Therapie

Ein Alpaka kommt selten allein

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Zum Kennenlernen wurden die Alpakas mit Haselnusszweigen gefüttert. Die Scheu war schnell verflogen. Aufgrund ihrer guten Ausbildung wurden die beiden Alpakas Silas und Sephia auch von Rollstuhlfahrern durch den Garten geführt.

Reichensachsen/Heldra. Plötzlich geht die Fahrstuhltür auf und heraus kommt - ein Alpaka. Die Augen der Kinder aus dem Werner-Seeger-Haus in Reichensachsen strahlten, als Tiertherapeutin Elisabeth Bosold mit ihrem Silas aus dem Aufzug schritt. Und auch die Augen des Alpakas waren wach und aufmerksam vor Begeisterung.

Im Mai verloste der Therapiehof Werratal in Heldra in Zusammenarbeit mit der Werra-Rundschau das Projekt „Therapietiere für Kinder“. Dazu haben sich Kinder- und Jugendeinrichtungen aus dem Werra-Meißner Kreis, Eichsfeld, Unstrut-Hainich-Kreis und dem Wartburgkreis beworben. „In dieser Einheit geht es nicht nur darum, Freude bei den Kindern zu erzielen, sondern es besteht auch die Möglichkeit, Bewegungsabläufe, Koordination, Konzentration und Aufmerksamkeit zu fördern“, sagt die Tiertherapeutin Elisabeth Bosold, die die Idee zu dieser Verlosung hatte.

Bisherige Erfahrungen zeigten, dass der Überraschungseffekt in den eigenen vier Wänden am größten ist. Fachtherapeutin Elisabeth Bosold, ihr Partner und Fachkraft für tiergestützte Therapie Markus Göbel sowie Heilerziehungspfleger Florian Burow organisierten die Aktion deshalb im Haus der Werraland-Werkstätten in Reichensachsen. Während die Kinder gespannt auf ihre angekündigte, aber noch geheime Überraschung in ihren Gruppenräumen warteten, spazierte Therapiebegleit-Alpaka Silas in das Gebäude und fuhr wie selbstverständlich mit dem Aufzug in den zweiten Stock. Auch die Treppe wäre kein Problem gewesen. Die Überraschung war gelungen.

Die Freude der Kinder war kaum zu übersehen und selbst Kinder mit einer ausgeprägten Sprachentwicklungsstörung zeigten über Laute und Gesten deutlich ihre Freude. Im Garten erwartete die Kinder das zweite Therapiebegleit-Alpaka, die Stute Sephia. Dort wurden die Tiere zum Kennenlernen von den Kindern mit frischem Gras und Haselnusszweigen gefüttert. „Leckerlis aus der flachen Hand wurden ohne Scheu verfüttert“, berichtet Elisabeth Bosold. Die Kinder, die selbstständig laufen können, haben die Alpakas am Führstrick durch den Garten geleitet. Kleinere Hindernisse eines Sinnespfads wurden mit den Tieren bewältigt. Die ausgebildeten Tiere können sich auf die unterschiedlichsten Situationen einstellen. Selbst die Rollstuhlfahrer führten die Tiere selbstständig. „Die taktile Wahrnehmungsfähigkeit der Kinder wurde durch das weiche Fell gefördert“, erklärt Bosold.

Mit einem Lächeln und winkenden Händen verabschiedeten sich die Kinder von den Alpakas und den Experten für tiergestützte Therapie. „Die Kinder redeten noch tagelang von diesem tollen Erlebnis“, berichtet Heilerziehungspflegers Florian Burow.

Von Tobias Stück

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