Angekommen im Leben: Im Kreißsaal ist Heiligabend alles wie immer und doch anders

Weihnacht mit Baby: Familie Mann aus Reichensachsen hat in diesem Jahr ein eignes Chriskind. Carlo wurde am 15. Dezember geboren, Bruder Casper (2) freuts auch. Foto:  Stefanie Salzmann

Eschwege. Carlo hätte ein Chriskind werden können. Sein errechneter Geburtstermin war der 19. Dezember. Plus/ minus Wetterumschwung, Mondphase oder Sturm hätte sein Geburtstag auch der 24. Dezember 2016 sein können. Doch der kleine Carlo war in Eile und kam am 15. Dezember um 4 Uhr morgens im Eschweger Krankenhauses zur Welt.

„Wir werden Weihnachten zu Hause groß mit der Familie feiern“, sagt Carlos Mutter Kristina Mann aus Reichensachsen. Das sei gut wenn genug Arme da sind, denn so habe sie Weihnachten auch Zeit für Carlos zweijährigen Bruder Casper.

Zwischen den Kreißsälen der Abteilung Geburtshilfe des Eschweger Krankenhauses steht ein liebevoll geschmückter Weihnachtsbaum. Doch wie an jedem anderen Feiertag, ob Ostern oder am Sonntag, ist die Abteilung auf jeden Ankömmling vorbereitet - immerhin haben Hebammen und Ärzte es hier mit Kundschaft zu tun, die ihr Kommen selten zuverlässig ankündigt. „Für die Geburtshilfe gibt es keine Ausnahmen“, sagt Hebamme Conni Zeuch. Auch die Ambulanz sei besetzt. Erfahrungsgemäß kommen während der abendliche Bescherungszeit keine Frauen. „Aber danach.“

Sie hat in ihrer 30-jährigen Laufbahn schon einige Kinder am Heiligabend entbunden. „Ein Baby kam genau, als in Eschwege die Weihnachtsglocken anfingen zu läuten und im Radio lief gerade „Ihr Kinderlein kommet“, erinnert sie sich. „Das war schon sehr besonders.“

Ob es in diesem Jahr wieder ein Weihnachtsbaby geben wird, kann natürlich niemand voraussagen. „Aber wir haben zirka zehn Frauen auf der Liste, die um Heiligabend herum ihren Geburtstermin haben“, so die Hebamme.

Das in den letzten Tagen des Jahres noch ein paar neue Erdenbürger in Eschwege eintreffen, darauf hofft vor allem der Chefarzt der Abteilung für Geburtshilfe Stefan Schwaiger. Denn zum ersten Mal seit zwölf Jahren ist die Klinik dabei, die 400er Marke zu knacken. Bis Ende vergangener Woche waren in Eschwege in diesem Jahr 391 Kinder zur Welt gekommen. Deutlich mehr als in den letzten Jahren, doch noch relativ weit von 2004 entfernt, damals wurden hier 428 Kinder geboren. Etwas mehr Kinder ist ein bundesweiter Trend, weiß der Chefarzt, nur zu einem kleinen Prozentsatz spielen Flüchtlinge dabei eine Rolle.

Was die Medizin und Geburtshilfe betrifft ist also alles ganz normal am 24. Dezember. Trotzdem tut keiner so, als sei nicht Weihnachten. „Wir Hebammen, die Schwestern und die Ärzte verabreden sich schon abends, um zusammen zu essen“, sagt Conni Zeuch. „Manchmal kommen auch die Mitarbeiter aus dem OP dazu.“ Hebamme Simone Hendrich, seit 33 jahren im Job, weiß, dass das Arbeiten an Heiligabend eigentlich ganz angenehm sein kann. „Die Feiertage sind ruhig und alle sind gut drauf.“.

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