„Befehl und Gehorsam“

Frühere Wehretaler CDU-Politiker kritisieren den innerparteilichen Umgang

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Dr. Claus Wenzel

Reichensachsen. Der Rauswurf Dr. Claus Wenzels aus der Wehretaler CDU-Fraktion ist offenbar nicht der einzige Fall, in dem sich die Partei unliebsamer interner Diskussion auf diese Art entledigt hat.

„Das, was Claus Wenzel jetzt passiert ist, ist nichts anderes als das, was ich vor einigen Jahren erleben musste“, berichtet Thomas Heinz, der heute stellvertretender Fraktions- und Gemeindeverbandsvorsitzender im südhessischen Münster ist.

Der 37-jährige Christdemokrat lebte in Reichensachsen, war in der CDU und in der Jungen Union engagiert. Beim Versuch, in der Gemeindepolitik Fuß zu fassen und sich in den politischen Gremien zu engagieren, scheiterte er am innerparteilichen Widerstand.

Wenig Demokratie

Wie Heinz, beschreibt auch Dr. Claus Wenzel die Diskussion innerhalb der Wehretaler CDU als wenig demokratisch. Hartmut Henkelmann, langjähriger Parteivorsitzender und noch immer an der Spitze der Fraktion, lasse keine zweite Meinung neben seiner eigenen zu. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Dorothea, die auch seine Stellvertreterin in der Fraktion ist und „einigen Mitläufern“ gebe er die Linie vor.

„Ziele und Auffassungen von Familie Henkelmann werden nicht diskutiert sondern auf Anweisung umgesetzt“, erklärt etwa Wolf-Dieter Schmidt das System Henkelmann. „Es geht nach Befehl und Gehorsam, eine Meinungsbildung findet in der Wehretaler CDU nicht statt“, so Schmidt, der von „zahlreichen Alleingängen von Familie Henkelmann mit Unterstützung einer kleinen Gruppe von Gefolgsleuten“ berichtet. Inzwischen hat er resigniert und sich aus der Parteiarbeit zurückgezogen.

Wie Wenzel jetzt, wurde schon nach der Kommunalwahl die langjähriger CDU-Gemeindevertreterin Anneliese Rimbach von der Fraktionsführung ausgebootet. Rimbach sei zunächst für den Gemeindevorstand vorgesehen gewesen, berichtet Dr. Wenzel. Henkelmann habe die Zusage dann allerdings nicht eingehalten und mit Harald Letsch einen unkritischen Gefolgsmann platziert.

Die Wehretaler CDU wollte nicht Stellung zu den innerparteilichen Auseinandersetzungen nehmen. Fraktionsvorsitzender Hartmut Henkelmann verzichtete auf ein Interview, Gemeindeverbandsvorsitzende Constance Cassel sagte einen bereits vereinbarten Gesprächstermin wieder ab.

Mit den Worten „lächerlich und peinlich“ kommentiert Heinz die aktuelle Entwicklung: „Es dauert nicht mehr lange, dann ist die CDU-Wehretal kaputt.“

Von Harald Sagawe

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