Forscher prüfen, ob sich Bestand bis Frühjahr erholen wird

Bestand sinkt auf drei: Hessische Luchse leiden an Fuchsräude

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Gefährdeter Bestand: Die Zahl der Luchse im Waldgebiet südöstlich von Kassel geht zurück. Eine Ursache könnte die Krankheit Fuchsräude sein.

Göttingen/Kassel. Im Südosten von Kassel ist der Luchsbestand von sechs auf drei geschrumpft. Diese schlechte Nachricht kommt von Göttinger Tierwissenschaftlern.

Hautkrankheit

Hintergrund sind Untersuchungen mit Fotofallen. Eine Ursache für den Rückgang könnte die Hautkrankheit Fuchsräude sein.

Unterstützung

Im vergangenen Herbst streiften noch sechs verschiedene Luchse durch das Gebiet. Jetzt sind es offenbar nur noch drei. Das Fotofallen-Projekt wird von der Heinz-Sielmann-Stiftung, der Erika-Krauskopf-Stiftung und dem Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie gefördert. Unterstützung gab es zudem durch die Forstämter Hessisch Lichtenau, Melsungen und Wehretal.

40 Standorte

Die Fotofallen waren von November vergangenen Jahres bis Anfang April an insgesamt 40 Standorten südöstlich von Kassel aufgebaut. Dabei gelangen 75 Aufnahmen von Luchsen. Eine Analyse der Fellmuster ergab, dass es sich nur um drei Tiere handelte, während drei der aus dem Vorjahr bekannten Luchse nicht mehr auf den Fotos erscheinen.

Standorttreue

„Da geschlechtsreife Luchse meistens standorttreu sind, liegt es nahe, dass die nicht mehr nachweisbaren Tiere in den vergangenen Monaten verendet sind“, sagt der Leiter der Studie Dr. Markus Port vom Johann-Friedrich-Blumenbach-Institut für Zoologie und Anthropologie der Universität Göttingen.

Milbe löst Krankheit aus

Bereits im November vergangenen Jahres war einer der sechs Luchse an der Fuchsräude verendet. Es handelte sich hierbei um ein von Beschäftigten des Nationalparks Harz gleich hinter der niedersächsischen Grenze mit einem Halsbandsender versehenes Weibchen. Die Fuchsräude, eine von Milben verursachte Hautkrankheit, kann auch auf Luchse übertragen werden und endet in der Regel tödlich.

Bekannte Tiere

Außerdem sind zwei weitere, den Forschern bekannte Tiere im vergangenen Winter nicht mehr in die Fotofallen getappt. „Es ist daher möglich, dass auch diese infolge einer Räudeinfektion eingegangen sind“, sagt der Göttinger Biologe Port.

Anfällige Population

„Der Rückgang des Luchsbestandes zeigt sehr deutlich, wie anfällig das kleine Luchsvorkommen in Hessen ist und wie wichtig die Fortsetzung des Monitorings durch die Göttinger Wissenschaftler ist“, erläutert Thomas Norgall vom Arbeitskreis Hessenluchs, der das Monitoring des Luchses in Hessen vor fünf Jahren im Auftrag des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) initiiert hatte.

Untersuchung

Die Forscher möchten nun herausfinden, ob sich der Luchsbestand im Untersuchungsgebiet bis zum Frühjahr kommenden Jahres wieder erholen wird. Dann werden die Ergebnisse einer weiteren Fotofallenmonitorings ausgewertet.

Hoffnung auf Luchs

Hoffnung gibt den Forschern, dass Ende März im Territorium des verendeten Weibchens ein neuer, noch unbekannter Luchs in eine Fotofalle tappte. „Es besteht also die berechtigte Hoffnung, dass vakante Territorien in absehbarer Zeit neu besetzt werden“, sagte Dr. Port. (bsc)

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