Der Blick zurück, als 1836 eine Postkutsche in Oetmannshausen überfallen wurde

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Überfall einer Postkutsche in Oetmannshausen

Oetmannshausen: Es ist ein Fall, der nie aufgeklärt wurde: Im Jahr 1836 ist in Oetmannshausen eine Postkutsche überfallen worden - die 920 gestohlenen Taler sind bis heute verschwunden.

Oetmannshausen. Es war schon spät am Abend des 14. Januar 1836, niemand mehr war auf dem Weg zwischen Reichensachsen und Bischhausen unterwegs. Nur ein einsamer Postillon fuhr, in eine wärmende Decke gehüllt, auf seiner Postkutsche durch die Dunkelheit, die lediglich vom spärlichen Licht seiner Laterne unterbrochen wurde. Da passierte bei Oetmannshausen das Unglück: Zwei Männer sprangen aus der Dunkelheit auf den Postwagen zu, wollten den Postillon, der in seinen Gedanken wohl schon bei einem wärmenden Schnaps in Bischhausen war, von seinem Sitz zerren. Als das nicht gelang, schlugen ihn die Räuber mit einem Stachel versehenen Knotenstock zusammen und stachen auf ihn ein. Anschließend entschwanden sie zurück in die Nacht - aber nicht, ohne vorher die Lade der Postkutsche zu öffnen und den wertvollen Inhalt von 920 Talern an sich zu nehmen.

In seinen Einzelheiten wiedergegeben worden ist diese Geschichte von dem Eschweger Karl-Heinz Bintzer. Der hat dafür auch ein passendes Medium zur Veröffentlichung gefunden: die Oetmannshäuser Ortschronik, die von Ingrid Hrobarsch zusammengetragen und geschrieben wurde. Dort lässt sich dann auch nachlesen, wer des Überfalls verdächtigt wurde: Mehrere Männer rückten ins Visier der Sheriffs.

So sollen sich zum Zeitpunkt der Geldübergabe - die Taler stammten von Adligen aus Eschwege, die ihr Geld an die Hauptkasse überbringen lassen wollten - zwei üble Burschen aus Hoheneiche in der Nähe befunden haben, die plötzlich verschwunden waren. Auch ein Tagelöhner aus Reichensachsen wurde verdächtigt, beweisen konnte man ihnen aber nichts.

Spekulationen gab es dennoch freilich viele: So wurde ein von der Statur her kräftiger Schneider verdächtigt, der aber keinerlei Verletzungen aufwies; auch einer seiner Kollegen, den der Schneider beschuldigte, hatte keine - dafür aber plötzlich genug Geld, um sich ein neues Haus zu bauen und teure Kleidung zu tragen. Ebenfalls einen anderen Lebensstil hatten der Müller der Pletschmühle, zwei Hoheneicher Bürger, ein Reichensächser Feldbürger sowie der Postillon selbst.

Tatsächlich verhaftet worden ist aber ein anderer: ein verarmter Wanfrieder Bürger, der zum einen mit einer verbundenen Hand zur Arbeit erschien und eine Gesichtsschramme hatte und zum anderen mit muffigen Münzen zahlte; die will er vorher an einem feuchten Ort vergraben haben.

Ob er den Postillon aber tatsächlich so zusammengeschlagen hat, dass sich dieser kaum an Einzelheiten erinnern konnte, wurde auch nach jahrelangem eifrigen Nachforschen nicht herausgefunden: Der Wanfrieder Bürger wurde wieder freigelassen, weil er ein Alibi seiner Verwandten bekam. So ist die Kiste mit den 920 Talern nie wieder aufgetaucht - bis heute nicht.

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