Deckengemälde in Reichensächser Kirche voller Aussagekraft

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Wie ein Nagelbett eines Fakirs - so soll die Decke der evangelischen Kirche zu Reichensachsen bis knapp vor der Jahrtausendwende ausgesehen haben. Weil der gesamte Innenraum 1998 generell renoviert werden sollte, entschied sich der Kirchenvorstand, auch die Decke neu machen zu lassen - entstanden ist ein spektakuläres und modernes Gemälde.

Gemalt worden ist das von Gert Weber aus dem Kreis Gotha. Er zeichnete auf den gut 100 Quadratmetern nicht nur die für eine Kirche typischen Engel, die das Gute symbolisieren, sondern auch das Böse: Figuren mit angstverzerrten Gesichtern sind zu sehen, ein Mann, der auf einen überdimensionierten Schädel einschlägt. Auch Menschen in einem Käfig sind abgebildet. „Das soll symbolisieren, dass wir uns auf Erden durch unser Tun selbst eine Hölle aufbauen“, sagt Pfarrer Dirk Panke.

Die gesamte Ostseite der Kirche wird von der rauen Wirklichkeit des Irdischen geziert. Die Aggressionen drücken sich in den Bildern, die in ausdrucksstarken, eher dunklen Farben gemalt wurden, in Menschen in Not aus, durch Sirenen, Panzer und eine getötete Taube, Friedenssymbol der heutigen Welt. Auch die ehemalige Reichensächser Synagoge ist auf dieser Seite zu finden, zerstört ragt sie aus den rauchenden Trümmern empor.

Die gegenüberliegende Westseite hingegen, auf der sich auch der Altar befindet, zeigt das Licht und die Güte, die die Menschen im Himmel erwartet: Riesige Engel mit Trompeten richten ihre musikalische Aktivität auf eine Lichtgestalt.

Zwischen dem Guten und dem Bösen ist ein Wirbel zu erkennen, seit Jahrhunderten Symbol der Schöpfung und Verbindungsstück beider Seiten. Der gekreuzigte Jesus ist neben dem gigantischen Sog ebenso zu finden wie Maria, die ihr Kind dem Strudel anvertraut. „Durch das Gemälde wird die frohe Botschaft des christlichen Glaubens lebendig“, sagt Panke.

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