Reichensachsen: FWG hält Umwandlung der Goldenen Äcker für fragwürdig

Geplantes Gewerbegebiet in der Kritik

Das Gebiet trägt den verheißungsvollen Namen „Goldene Äcker“: Möglicherweise entsteht hier in den nächsten Jahren ein Gewerbegebiet. Der fruchtbare Boden wäre damit verloren, aufgeschüttet würde Naturmaterial vom A-44-Tunnelaushub. Foto:  Wüstefeld

Reichensachsen. Es war nur eine Frage, die ganz zum Schluss einer Bürgerversammlung gestellt wurde: Was passiert eigentlich mit Reichen-sachsen, wenn es ein Hochwasser wie Anfang der 80er-Jahre gibt und vor dem Ort, wie derzeit noch der Fall, keine tiefere Ebene mehr da ist, sondern ein höher liegendes Gewerbegebiet?

Das soll rund um das Betonwerk nämlich geschaffen werden, wenn es nach Bürgermeister Jochen Kistner geht. Das ist im Flächennutzungsplan auch als solches gekennzeichnet, Beschlüsse dazu gibt es aber noch nicht: Derzeit laufen dazu Vorgespräche.

Hochwasser-Problematik 

Doch die Hochwasser-Frage beschäftigt jetzt auch die FWG Wehretal: „Anfang der 80er-Jahre gab es in Wehretal ein Jahrhunderthochwasser Durch die gewaltige Aufschüttung besteht bei einem vergleichbaren Hochwasser die Gefahr, dass die Überflutung von Reichensachsen wesentlich schlimmer ausfallen könnte“, sagt Fraktionsvorsitzender Wolfhard Austen. Doch das angesprochene Areal sei gar kein festgestelltes Überflutungsgebiet, sagt Kistner: „Das liegt auf der anderen Seite der Wehre in Richtung Bundesstraße.“ Austens Partei möchte vor einer möglichen Entscheidung jedoch alle Optionen abwägen und einen Beschluss nicht um jeden Preis fassen - denn schon südlich von Hoheneiche sei ein Gewerbegebiet vorhanden, das auch genutzt werden könnte.

Die entscheidende Sitzung 

Doch ein Beschluss soll nach Austen in der kommenden Sitzung gefällt werden: In einer Ausschusssitzung sei mitgeteilt worden, dass am 14. März ein Aufstellungsbeschluss gefasst werden müsse. Das sei deshalb notwendig, weil die Gemeinde davon ausgehe, dass mit der Fertigstellung der Nordumgehung und der Autobahn die Nachfrage nach Gewerbeflächen in Reichensachsen steige. Bis dahin solle das also fertig sein.

Was Austen irritiert: Dass über ein so wichtiges Thema während der eingangs erwähnten Bürgerversammlung kein Wort über die Dimension dieses Vorhabens verloren wurde. „Es wäre ein Leichtes gewesen, das Gelände, das sich zwischen der Bundesstraße nach Eschwege, der zukünftigen Nordumgehung, der Wehre bis an die Bebauungsgrenze von Reichensachsen erstreckt, den Bürgern mittels eines Beamers zu zeigen.“ Nach Informationen unserer Zeitung soll das gut 15 Hektar groß sein.

Bürgermeister Kistner hingegen betont, dass derzeit noch nichts in trockenen Tüchern sei, da erst Erkundigungen eingeholt werden und die Parlamentarier erst einmal zustimmen müssten, dass das Gelände erschlossen werden kann. „Genau das wird der Ausschuss den Gemeindevertretern aber empfehlen“, sagt Austen.

Die Gewerbe 

Ansiedeln sollen sich auf dem Gewerbegebiet, das bis zu knapp zwei Meter mit Erde aus dem Tunnel aufgefüllt werden soll, zum Beispiel Lebensmittelmärkte. Während Aldi, der derzeit im Ort angesiedelt ist, nur umziehen möchte, würde mit Rewe ein neuer Markt hinzukommen. Das muss aber erst vom Regierungspräsidium Kassel genehmigt werden: „Es wird deshalb ein Gutachten erstellt, das die Kundenströme misst“, erklärt Kistner. Mit einfließen werden auch die Meinungen der umliegenden Kommunen: „Im interkommunalen Nahversorgungskonzept ist festgelegt, dass durch die Ansiedlung neuer Märkte kein Nachteil für die umliegenden Kommunen und auch nicht für den Handel innerhalb des Ortes entstehen darf“, erklärt Eschweges Bürgermeister Alexander Heppe, dessen Stadt nah an Reichensachsen liegt.

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