Schornsteinfeger und Glücksbringer: Die Zwillinge Carsten und Michael Ludwig

Glück im Doppelpack

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Zwillinge zum Küssen: Carsten und Michael Ludwig verkörpern als Schornsteinfeger das Glück an sich. Wer sie berührt, wem gar ein wenig Ruß an den Fingern kleben bleibt, so heißt es, dem bleibt das Glück gewogen.

Reichensachsen. Es gibt Berufe, in denen Männerträume wahr werden. Und dazu muss Mann weder Pornodarsteller noch Modefürst sein. Die beiden eineiigen Zwillinge Carsten und Michael Ludwig werden unaufgefordert und nicht selten auf offener Straße geküsst und angefasst.

Die beiden Herren ganz in Schwarz und mit Zylinder sind Schornsteinfeger und gelten heutzutage vor allem bei Frauen als der Glücksbringer schlechthin.

Sie werden gern im Doppelpack zu Hochzeiten gerufen, um den Eheleuten dauerhaftes Glück zu bescheren. Nicht selten öffnet sich eine Haustür und nach dem Guten Tag kommt ein Kuss. „Das sind meistens Frauen“, sagt Michael Ludwig. Aber das läge sicher auch daran, sagt er, dass die zu Hause sind, wenn der Schornsteinfeger kommt. Auf einem Autobahnparkplatz stieg eine Münchnerin aus ihrem Wagen und küsste den Schornsteinfeger Carsten, setzte sich wieder in ihren Wagen und brauste mit dem Kuss davon.

Aber auch im Vorbeigehen streifen Menschen mit Händen an der Kleidung der Brüder oder drehen an den Goldknöpfen der schwarzen Tracht. Auf denen ist der Schutzpatron der Zunft, der Heilige Florian mit Schultereisen und Besen abgebildet.

Der Glaube an ihre Kraft, Glück zu bringen, stammt aus der Zeit des Mittelalters als verheerende Feuer, die ganze Städte in Schutt und Asche legten, an der Tagesordnung waren. Ungereinigte Kamine waren häufig Ursache von Bränden. Die Häuser, deren Kamine allerdings vom Schornsteinfeger gereinigt worden waren, brannten seltener.

Geboren wurden die Brüder 1969 als Söhne des Reichensächser Schornsteinfegermeisters Willi Ludwig. „Unsere Schornsteinfegerkarriere begann damit, dass wir als kleine Jungs zusammen unsere sämtlichen Klamotten in die Esse steckten. Unser Vater musste dem Schornstein dann unten öffnen und alles wieder rausholen.“ Die Zwillinge gingen gemeinsam zu Schule und während für Carsten immer klar war, dass er in die schwarzen Fußstapfen seines Vater treten will, wollte Michael eigentlich lieber Banker werden. Es war aber letztendlich praktischer und so machten die Brüder zeitgleich ihre Ausbildung und legten beide 1994 ihre Meisterprüfung ab. Heute fegt und misst der Carsten Ludwig in Reichensachsen, Michael Ludwig übernimmt ab Januar den Ringgau.

Beide Schornsteinfeger sind verheiratet und haben Kinder, Michael Ludwigs 15-jähriger Sohn hat ebenfalls Ambitionen in das nachwuchsarme Geschäft seines Vaters einzusteigen und macht schon mal ein Praktikum. Auch in Sachen „Glückbringen“ sind die Zwillinge noch an anderer Stelle aktiv - in den Freiwilligen Feuerwehren Reichen- sachsens und Röhrdas. Dass beide bisher noch nie im Lotto gewonnen haben, stört sie nicht. „Wir haben selbst Glück im Leben und sind gesund.“

Von Stefanie Salzmann

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