Forstgartenstift eingeweiht

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Fast alle Wegweiser hängen schon, einer fehlte noch: Bürgermeister Jochen Kistner überreicht dem Ehepaar Rainer und Rosemarie Wolf zur Eröffnung ihrer neuen Hausgemeinschaft ein Schild mit der Aufschrift „Forstgartenstift“.

Reichensachsen. Absichtlich wählte Pfarrer Dirk Panke das Lied „Komm bau ein Haus, das uns beschützt“ für eine Predigt aus. Mit einem Gottesdienst wurde gestern das Forstgartenstift in Reichensachsen eingeweiht.

„Ein Haus, das uns beschützt, schützt vor der Kälte, der menschlichen Kälte, die einem beim Ärger mit Behörden oder anderen Menschen entgegenschlägt. Schutz vor dem Wind bietet, dem Wind der Leistungsgesellschaft, der uns entgegenweht, so heißt es in dem Lied und genau das soll das Forstgartenstift sein“, sagte Panke. Das Haus solle allen Platz bieten. Egal ob blinde Maulwürfe, Spaßvögel oder Hunde, die nicht nur bellen, sondern auch einmal beißen, so Panke weiter.

Wehretals neues Seniorenheim stellt die sonst oftmals typische Organisation eines Altenheims auf den Kopf. Eigentlich ist es eher eine sehr altengerechte Wohngemeinschaft mit ambulanter Betreuung, die den verschiedensten Charakteren älterer Menschen gerecht werden soll, was der Vergleich von Pfarrer Panke verdeutlicht. Denn Nähe und Distanz sind für die Bewohner frei wählbar, es gibt kaum geregelten Abläufe.

„Die Bewohner sollen ihr bisheriges Leben weitgehend so wie bisher leben können. Das Leben soll möglichst viel von ihrem bisherigen Alltag beinhalten“, erklärt Rainer Wolf, Geschäftsführer des Wohn- und Pflegezentrums Wolf. „Wir wollen hier eine altersgerechte, bescheidene Kultur der Selbstständigkeit etablieren. Bei der Erhaltung dieser Selbstständigkeit aber werden wir die Alten unterstützen“, erklärte Wolf in seiner Eröffnungsrede.

Maximal 40 Bewohner finden im Forstgartenstift Platz. 24 Menschen wohnen schon dort, 70 Prozent davon sind Wehretaler. „Wohnortnah den Lebensabend zu erleben, auch das gehört zur Würde des Menschen und das ist nun in Reichensachsen möglich“, sagte Landrat Stefan Reuß, der in seinem Grußwort auch den Mut und den unternehmerischen Geist von Rainer Wolf lobte. Denn Wolf ist selbst bereits 68 Jahre alt.

Bürgermeister Jochen Kistner war ebenfalls begeistert von der neuen Pflegeeinrichtung. „Dank ihr sind schon jetzt einige Wehretaler wieder in ihrem Heimatort, die vorher auswärts untergebracht waren. Hier aber können sie Reichensachsens schiefen Kirchturm sehen und vielleicht ist hier auch später ein Platz für mich frei“, sagte er.

Das Einweihungsbuffet war dann zum Teil sogar von den Bewohnern selbst gekocht.

Von Wolfram Skupio

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