Kein Weg zum Bahnsteig

Haltepunkt Reichensachsen: Erreichbarkeit ist in Gefahr

Reichensachsen. Dem Bahnhaltepunkt Reichensachsen droht nach Ansicht der Freien Wählergemeinschaft (FWG) die Schließung. Mit der Fertigstellung der Autobahn 44, dem vierspurigen Ausbau der Bundesstraße 27 sowie der kreuzungsfreien Verbindung zwischen Reichensachsen und Vierbach wäre der westliche Bahnsteig nicht mehr erreichbar, so die Befürchtung.

Die FWG kündigt für die heutige Sitzung des Kreistages Werra-Meißner in Zusammenhang mit der Beratung des Nahverkehrsplanes Anträge an, die das Ziel haben, den Bahnhof zu sichern. Gegenwärtig erreichen Reisende den westlichen Bahnsteig über den Bahnübergang. Der würde geschlossen, sobald die Brücke über die Bahnlinie und die Bundesstraße in Betrieb geht.

Zur Anbindung der Autobahn 44 soll die Bundesstraße 27 dort vierspurig ausgebaut werden. Eine Brücke wird Reichensachsen mit dem Vierbachtal verbinden. Die soll, so die Auskunft Peter Wöbbekings von Hessen Mobil, etwa 200 Meter nördlich des heutigen Bahnübergangs gebaut werden, Schienenstrecke und Bundesstraße überspannen. Dann werde die Bahn den jetzigen Schienenübergang schließen, der unmittelbar an den Bahnhof angrenzt und auf dem auch die Zugpassagiere über einen Fußgängerstreifen den westlichen Bahnsteig erreichen.

Für die Bahnfahrer wäre die neue Brücke wegen ihrer Entfernung nach Ansicht von Wehretals Bürgermeister Jochen Kistner unattraktiv. „Der Haltepunkt würde an Qualität verlieren“, sagt Kistner. Für eine zusätzliche Über- oder Unterführung eigens für Fußgänger sieht der Bürgermeister Finanzierungsschwierigkeiten. „Das würde sicherlich einige hunderttausend Euro kosten.“ Es gelte eine Lösung zu finden, die technisch möglich und gleichzeitig kostengünstig ist.

Kistner könnte sich vorstellen, den heutigen Bahnübergang in kleinerer Form und ausschließlich für Fußgänger zu erhalten. Eine Lösung, die auch für Wöbbeking denkbar wäre. Das sei aber Sache der Bahn, sagt der Straßenbauer. Andreas Hölzel, Sprecher der FWG-Kreistagsfraktion, und Wolfhard Austen, Vorsitzender der FWG-Fraktion in der Wehretaler Gemeindevertretung, befürchten, „ohne direkten Übergang für Bahnfahrgäste zum jeweils gegenüberliegenden Gleis steht es um die Zukunft des Bahnhaltepunktes schlecht“.

Die Gemeinde habe 330 000 Euro in den Haltepunkt investiert. Die Gesamtkosten hätten 1,55 Millionen Euro betragen. Mit den A-44-Bauarbeiten solle im nächsten Jahr begonnen werden. Hölzel: „Es ist höchste Zeit nach einer Lösung zu suchen. Die an der Gesamtsituation beteiligten Institutionen haben eine Verantwortung zu erfüllen, die einzufordern und zu verhandeln ist. Der Bahnhaltepunkt darf nicht geschlossen und zum Millionengrab werden.“

„Wir sind seit längerem in Gesprächen mit Hessen Mobil“, berichtet Pipper von den Bemühungen der Nahverkehrsgesellschaft, eine Lösung zu finden. „Wir müssen uns spätestens Anfang nächsten Jahres damit auseinandersetzen“, kündigt Kistner an.

Die FWG hat für die heutige Kreistagssitzung und für die nächste Zusammenkunft der Wehretaler Gemeindevertretersitzung am 17. November Anträge angekündigt.

Wann die geplanten Straßenbauprojekte umgesetzt werden und damit in der Folge der Bahnübergang wegfällt, konnte Wöbbeking gestern nicht präzise sagen. „Voraussichtlich aber noch in diesem Jahrzehnt“, so seine grobe und unverbindliche Einschätzung.

Von Harald Sagawe

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