Gratulationen von allen Seiten für den Bürgermeister, der heute erst einmal einen Kurzurlaub antritt

Kistner dachte, es seien Musterzahlen

Jochen Kistner

Reichensachsen. Um 18.12 Uhr am Sonntag waren 109 abgegebene Stimmen in Oetmannshausen ausgezählt. Als auf der Leinwand aufleuchtete „108 Ja-Stimmen + ein Wahlzettel ungültig = 100 Prozent“ dachte Jochen Kistner, es handele sich um eine „Musterprojektion ohne aktuelle Zahlen“, 100 Prozent für ihn, das konnte er sich nicht vorstellen.

Dieser erste von sechs Wahlbezirken stand lange Zeit allein im Raum, allein die Briefwahl war schon bekannt: 193 gültige Stimmen, davon 81,9 Prozent für Kistner. Zwischen den 100 Prozent in Oetmannshausen und der Briefwahl pendelten sich die anderen Bezirke (siehe Tabelle rechts) ein, unterm Strich sind es 92,2 Prozent, „damit habe ich nicht gerechnet“, sagt der 54-jährige Bürgermeister und betrachtet das Ergebnis als „Supermotivation für meine zweite Amtszeit“. Abgesehen von der Briefwahl, die sich auf die gesamte Gemeinde erstreckt, gibt es keinen Ausreißer in den Ortsteilen, alle liegen über 90 Prozent. „Ich bin in allen Orten präsent, alle werden gleich behandelt“, wertet Kistner die Übereinstimmung. Die Wahlbeteiligung hat ihn enttäuscht, „da habe ich schon 50 Prozent plus erwartet“, aber damit könne er leben.

Als er sich vor sechs Jahren für den Bürgermeisterjob entschieden hat, war eine zweite Amtszeit schon fest einkalkuliert, über eine dritte hat er jedoch noch keinen Gedanken verloren. Ambitionen auf eine höher angesiedelte Karriere wie bei jüngeren Kollegen anderenorts hatte Jochen Kistner nie, daran ändere auch das Superergebnis nichts, macht er deutlich, dass „ich mit Leib und Seele Bürgermeister bin“, erst danach komme die Parteipolitik. Über die hinaus sieht er seine Aufgaben.

Auch ohne Wahlkampf fühlte er sich am Samstag ausgepowert, hat das Schlachtefest der Feuerwehr frühzeitig verlassen. Und gestern Morgen dauerte es eine ganze Weile, bis er das Wahlergebnis, in der Zeitung noch einmal bestätigt, richtig verdaut hatte. Anrufe ohne Ende, E-Mails und Grüße auf der Straße, „das tut gut, das spornt an“.

Die Abgeordneten Michael Roth und Dieter Franz gratulierten schon am Sonntag vor Ort, Landrat Stefan Reuß hat angerufen und auch von den anderen Wehretaler Parteien gab es bereits Glückwünsche.

Dass sich auf Ehrenamtsbasis noch mehr bewegt, ist sein großer Wunsch, was er dazu tun kann und will, das wird Kistner bis zum 1. April 2013 festschreiben, dann beginnt die zweite Amtszeit.

Seine wenigen Wahlplakate bleiben noch ein paar Tage stehen. Er hat überall einen Zettel draufgeklebt mit dem Wort „Danke“. (hm)

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