Amtsinhaber einziger Bürgermeisterkandidat

Kistner setzt auf motivierende Wahlbeteiligung

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Standesbeamter Heinz Schimmelpfennig fungiert letztmals als Wahlleiter, geht im Mai in die passive Altersteilzeit. Hier holt er eine der zwei Wahlurnen für Reichen-sachsen aus dem Rathauskeller. Dort im Bürgerbüro kann am Sonntag bis 15 Uhr bei plötzlicher Erkrankung Briefwahl beantragt werden.

Reichensachsen. Gestern hat Bürgermeister Jochen Kistner seinen Wahlkampf beendet, der mangels Gegenkandidat keiner war. Mehr als 2000 Haushalte hat er abgeklappert, jeder bekam eine Broschüre mit des Bürgermeisters Bilanz seiner ersten Amtszeit und einen Kugelschreiber, bei Antreffen der Bewohner gab’s ein Schwätzchen obendrein.

Nur zirka 40 Plakate in allen fünf Ortsteilen deuten auf die Wahl am Sonntag hin, das war’s schon. Rechts (!) oben weisen die Buchstaben SPD darauf hin, wes’ politisch Geistes Kind Jochen Kistner ist, „ich bin Bürgermeister für alle, nicht für eine Partei“, geht er erst für sich und dann für die Genossen ins Rennen.

2006, das waren Zeiten: Kistner hat sich im ersten Wahlgang unter vier Bewerbern souverän mit 52,3 Prozent durchgesetzt bei einer Wahlbeteiligung von 69,5 Prozent, blättert Wahlleiter Heinz Schimmelpfennig im Archiv. Eine nur annähernde Beteiligung wünscht sich Kistner am Sonntag, „das würde die Motivation für meine zweite Amtszeit noch höherschrauben als ohnehin schon“.

4206 Wahlberechtigte gibt es, 2749 in Reichensachsen, 232 in Vierbach, 519 in Hoheneiche, 229 in Oetmannshausen, 486 in Langenhain. 60 Wahlhelfer wurden für sechs Wahlbezirke rekrutiert.

290 Briefwähler waren bis gestern Mittag verzeichnet. Ein Indikator für die Wahlbeteiligung könne das aber nicht sein, sagt Heinz Schimmelpfennig.

Dass der Bürger keine Wahl zwischen Personen, sondern nur zwischen Ja und Nein bei einem Kandidaten hat, damit ist Jochen Kistner in guter Gesellschaft. Friedhelm Junghans aus Meißner war bei seiner Wiederwahl ohne Mitbewerber, Hans Giller in Meinhard ebenfalls, Friedhelm Kerl in Weißenborn war bei der Wiederwahl Einzelkämpfer, ebenso wie sein Vorgänger Arno Mäurer nur einmal einen Gegenkandidaten hatte.

Auswahlmäßig aus dem Vollen schöpfen konnten die Wähler zuletzt in Waldkappel (drei Bewerber), Eschwege (drei), in Sontra, Ringgau und Herleshausen waren es immerhin zwei, die zur Wahl standen.

Ursache für weniger Kandidaten ist wohl zum einen, dass, „wer einen vernünftigen Job hat, sich den Stress ohne Gestaltungsspielraum nicht antut“, so ein ehemaliger Kandidat. Zum anderen seien die Chancen gegen einen Platzhirschen, der sich zur Wiederwahl stellt, für Kandidaten aus den eigenen örtlichen Reihen wie für externe Bewerber nicht vielversprechend. Vorbei die Zeiten, als es sich die SPD in Wehretal noch geleistet hat, dem Eigengewächs aus dem Bürgermeisteramt Horst Dietzel einen Mann von auswärts als Mitbewerber zu präsentieren.

Von Helmut Mayer

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