Nachbar wird zum Lebensretter

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Reden nur noch selten über das, was passiert ist: (von links) Lebensretter Peter-Georg Polowczyk, Thomas Hellwig mit seiner Frau Heike und Andreas Küch, der ein guter Freund der Familie und Polowczyk dankbar für dessen Tat ist. 

Reichensachsen. Dank Herzdruckmassage von Peter-Georg Polowczyk kann Thomas Hellwig wieder lachen.

Den 28. April wird Heike Hellwig nicht mehr vergessen: Die Frau aus Reichensachsen stand gerade in der Küche, als ihre älteste Tochter aus dem Wohnzimmer rief: „Papa ist vom Stuhl gefallen.“ Als die 48-Jährige rüberlief, hatte ihr Kind den Notarzt schon am Telefon, drückte dann der Mutter das Gerät in die Hand und rannte zum Nachbarn, Hilfe holen.

Der Anblick, der sich Hellwig bot, hat sich tief in ihrem Gedächtnis verankert: Ihr Mann Thomas lag reglos unter dem Tisch, sein Gesicht war bereits blau gefärbt. Auf Anweisung des Arztes am Telefon legte sie ihn auf den Rücken und den Kopf in den Nacken, als auch schon ihr Nachbar Peter-Georg Polowczyk angelaufen kam. „Ich habe gar nicht großartig nachgedacht und sofort mit der Herzdruckmassage begonnen“, erinnert sich der 48-Jährige. Instinktiv habe er Thomas Hellwig das T-Shirt aufgerissen und „einfach angefangen zu drücken“.

„Ich hatte einfach Angst, dass mir Thomas unter den Händen wegstirbt.“

Diesem Reaktionsvermögen verdankt der 55-jährige Thomas Hellwig sein Leben. Denn, so haben es der Patient, seine Familie und sein Retter später erfahren, es ist äußerst wichtig, dass das Blut bei einem Herzstillstand weiter im Körper zirkuliere und auch das Gehirn erreiche. „Irgendwie hatte ich noch im Kopf, dass man nichts falsch machen kann, solange man überhaupt etwas tut“, erklärt Po-lowczyk sein Handeln. Ehrlich gibt der 48-Jährige aber zu, dass er schon erleichtert war, als der Notarzt da war: „Ich hatte einfach Angst, dass mir Thomas unter den Händen wegstirbt.“ Deshalb sei er ihm dankbar, dass nichts passiert sei.

Bei diesem Satz hakt sich Thomas Hellwig selbst ein. Er spricht nicht gerne über das, was ihm passiert ist, konzentriert sich lieber auf seine Reha. Für ihn gilt der Blick nach vorne - der zurück lasse ihm ab und zu die Tränen kommen. Das ändert nichts daran, dass er Polowczyks Dankbarkeit mit einer Handbewegung wegwischt: „Ich bin dir dankbar“, sagt er mit Blick auf seinen Nachbarn.

Wüsste man es nicht, sieht man Hellwig nicht mehr an, dass er für eine Zeitlang keine Atmung und keinen Puls mehr hatte: Seine Gesichtsfarbe ist gesund, seine Fitness wird auch wieder besser. Der 55-Jährige, der vor einer Woche seinen Geburtstag nachfeiern konnte, kann sich an den Vorfall nicht erinnern: „Ich hatte keine Schmerzen, das alles passierte von einer auf die andere Sekunde“, sagt er. Selbst die zwei Wochen vor seinem Herzstillstand seien weg, vergessen hat er sogar auch, dass er mal geraucht hat. „Das ist ein positiver Effekt“, sagt er mit einem leichten Lächeln um den Mund. (cow)

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