Forstamt Wehretal überlässt fünf Prozent seiner Flächen der Natur, damit sich Urwälder entwickeln können

Nichtstun schützt den Wald

Frauenschuh: Das höchste Vorkommen dieser Orchideenart in Hessen wächst in den Revieren des Forstamts Wehretal. Foto:  Ulrike Michael/nh

Reichensachsen. Das Forstamt Wehretal schützt seinen Wald durch Nichtstun. Auf über 320 Hektar Staatswald, das entspricht etwa 650 Fußballfeldern, wird die Natur sich selbst überlassen. Das sind fünf Prozent der vom Forstamt Wehretal bewirtschafteten Staatswaldfläche.

„Hier können sich die Urwälder von morgen entwickeln und bieten Trittsteine für Lebewesen, die auf alte Wälder und Totholz angewiesen sind“, erläutert Dr. Thomas Rysavy, Leiter des Forstamtes Wehretal.

Letztes Eibenvorkommen

In den Wäldern des Forstamtes Wehretal befinden sich zwei hessenweit bedeutende Pflanzen: Die Orchideenart Frauenschuh kommt in Nordhessen nirgendwo häufiger vor, als zwischen Meinhard und Ringgau sowie dem Stölzinger Gebirge und Wanfried. Außerdem steht hier das letzte natürliche Eibenvorkommen. „Das ist von landesweiter Bedeutung“, sagt Rysavy.

Neben den geschützten Kernflächen sind im gesamten Staatswald Bäume, die Höhlen oder Horste geschützter Arten beherbergen, als Habitatbäume aus der Nutzung genommen worden. Dadurch wird im gesamten Staatswald sichergestellt, dass Tier- und Pflanzenarten Brut- und Rückzugsquartiere finden. Hessen-Forst hat dieses Natur- und Artenschutzkonzept landesweit umgesetzt und in seiner Naturschutzleitlinie festgeschrieben. Die Auswahl der Kernflächen wurde im vergangenen Jahr intensiv zwischen dem Forstamt und den Vertretern des Naturschutzes abgestimmt.

Schutz durch Pflege

Förster Felix Jung erklärt das Pflegekonzept für Waldwiesentäler. Diese sind zum Teil stark mit Schwarzdorn verbuscht, so dass anderen Pflanzen das Licht zum Wachsen fehlt. Dem Schwarzdorn wird daher zunächst mit der Säge zu Leibe gerückt. Um ihn dauerhaft aus den Tälern zu verdrängen, müssen jedoch die wieder ausschlagenden Triebe anschließend durch Maschineneinsatz bei Frost oder durch Beweidung mit Ziegen im Sommer entfernt werden. So entwickeln sich mit der Zeit aus ehemals verbuschten Flächen Waldwiesentäler, die attraktive Lebensräume für viele Arten bieten. (ts)

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