Kleines Unternehmen aus Reichensachsen arbeitet für die Nuklearindustrie

Im weltweiten Einsatz

Firmengründer: Helmut Wiesmann hat Spectrotec 1982 in Frankfurt gegründet. Heute hat das Unternehmen des 72-Jährigen seinen Sitz im Wehretaler Ortsteil Reichensachsen. Foto: Sagawe

Reichensachsen. Wenn irgendwo auf der Welt radioaktive Abfälle in der Nuklearindustrie aufbereitet oder für die Endlagerung vorbereitet werden, dann geschieht die Überwachung der Arbeitsabläufe nicht selten mit Messtechnik, die im Wehretaler Ortsteil Reichensachsen entwickelt wurde. Helmut Wiesmann ist mit seinem Unternehmen Spectrotec weltweit unterwegs.

Kunden in den USA, in Argentinien, Russland, Japan oder Frankreich arbeiten gern mit den Geräten aus dem Werra-Meißner-Kreis. „Wir koppeln Massenspektrometer und optischen Spektrometer an Handschuhboxen“, beschreibt Wiesmann das Betätigungsfeld seines Unternehmens, in dem er fünf Mitarbeiter beschäftigt.

Die Technik aus Reichensachsen besticht durch ihre extreme Messgenauigkeit und hohe Nachweisempfindlichkeit. „Chemische Elemente sind im Piko-Gramm-Bereich nachweisbar“, sagt Wiesmann und erklärt: „Ein Gramm sind 1 000 000 000 000 (Billion) Piko-Gramm; ein Stück Metall - beispielsweise Kupfer - in Würfelzucker-Größe im Bodensee aufgelöst, wäre mit unserer Technik nachweisbar.

Das Wehretaler Unternehmen hat die Technik geliefert, mit der im Institut für Transurane bei Karlsruhe die Endlagerung von 60 000 Litern hochradioaktiven Abfalls vorbereitet wurden. Während des Verarbeitungsprozesses wurde die radioaktive Konzentration überwacht. Das gefährliche Material wurde in Glas eingeschmolzen und anschließend zunächst in Castorbehältern ein- und zwischengelagert.

„Unsere Geräte wurden benötigt um festzustellen, was genau in den Abfällen enthalten ist“, sagt Wiesmann. Das sei alles sehr präzise und verlässlich. Wiesmann: „Das große Problem der Nuklearindustrie ist die Endlagerung.“ Momentan arbeitet Spectrotec am Auftrag eines Forschungsinstitutes in Russland. Neben der Anwendung in der nuklearen Industrie und Forschung werden die Anlagen aus Reichensachsen auch in der Medizin benötigt.

Helmut Wiesmanns Technik hilft bei der Krebstherapie. „Unsere Entwicklungen werden zur Kontrolle bei der Herstellung radioaktiver Substanzen für die Anwendung in der Radiometrie eingesetzt“, sagt der Unternehmer und nennt als Beispiel Schilddrüsenuntersuchungen oder die Tumorbekämpfung durch das Spritzen kurzlebiger Radionukliden anstelle von Bestrahlung mit energiereichen Dosen.

Von Harald Sagawe

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