30 Jahre nach dem Ende seiner Geländemotorradkarriere packt Manfred Liese wieder das Enduro-Fieber

Mit 65 wieder auf die Jawa drauf

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Mit dieser Jawa Werksmaschine ist Manfred Liese schon vor über 40 Jahren Rennen gefahren. Der Name der tschechischen Motorräder kommt von Firmengründer Janecek und Lizenzgeber Wanderer, sie gelten als unverwüstlich.

Reichensachsen. Er verkörpert, was man landläufig als „verrückter Hund“ bezeichnet. So einer macht, was er will und ist stets für eine Überraschung gut. Im 66. Lebensjahr, am kommenden Montag macht er die Schnapszahl voll, hat Manfred Liese ein bemerkenswertes Comeback gestartet.

Er hat sich auf seine 250er Jawa gesetzt und wieder angefangen, wettbewerbsmäßig mit dem Motorrad im Gelände rumzufahren.

Aber nicht einfach so. Der Reichensächser Kaufmann ist in den Club der Enduro-Senioren Deutschland aufgenommen worden, wo er alte Weggefährten mit prominenten Namen wiedertrifft wie den legendären Herbert Scheck oder Erwin Schmieder. Die krönten die Starterlisten bei Läufen rund um die Blaue Kuppe mit dem berühmten Sauloch, als der MSC Eschwege bis in die 1960er und 1970er Jahre hinein Läufe zu deutschen und Europameisterschaften im Geländesport ausgerichtet hat.

Da war von 1965 bis 1982 auch Manfred Liese dabei, der seinem älteren Bruder Dieter nacheiferte und im 3er-Team deutscher Vizemeister und Meister wurde. Für die Summe seiner Erfolge wurde Liese mit dem Sportabzeichen in Gold mit Brillanten ausgezeichnet, höchste Ehrung, die ADAC und DMV zu vergeben haben.

Nach 30 ruhigeren Jahren war Liese zu einer Motorradveranstaltung eingeladen, wo er nur seine Steenbock BMW vorführen sollte, eine absolute Rarität mit Kardanwelle (Foto rechts). Die Veranstalter hatten ihn schon ohne sein Zutun vorsichtshalber in die Starterliste aufgenommen und so ist er mitgefahren und hat auf Anhieb den 3. Platz belegt. Eher zufällig also ist er rückfällig geworden, aber „es hat einen Riesenspaß gemacht und tut es immer noch, auch mit 65“, sagt Liese im Nachhinein.

Bei weiteren Starts der Enduro-Senioren-Classic-Serie in Wersdorf, Mauer, Sersheim, Dillstedt, Unterschonmattenberg im Odenwald und Eberstedt bei Apolda hat er fünfmal gewonnen und wurde einmal Dritter.

Für die nächste Saison, die diesjährige umfasste neun Rennen von Juni bis November, stehen die Termine schon im Kalender. Die Wertungskriterien berücksichtigen bei den älteren Herrschaften auf zwei Rädern das Alter der Rennfahrer im Rentenalter und das Baujahr ihrer Maschinen. Das macht bei Manfred Liese 65 Lebensjahre und bei seiner Jawa 45 Jahre, und so werden ihm auf die gefahrene Zeit 110 Sekunden gutgeschrieben.

Alte Kumpels reaktiviert, die auch wieder fahren wollen

Um seine historische Werksmaschine Jawa wettbewerbsfähig herzurichten, hat ihm sein Motorradkumpel aus alten Zeiten, Bruno Bierschenk, geholfen. Dank Lieses Comeback haben auch Jürgen Grein (Wanfried), Dieter Degenhardt (Eschwege) und Herbert Bechthold (Hoheneiche) wieder Benzin gerochen und wollen im nächsten Jahr auch wieder auf den Bock steigen, Horst Weber (Nesselröden) und Ludwig Groß sind schon dabei.

Enduro fahren kostet Kraft und Kalorien, freut sich Manfred Liese über eine Gewichtsabnahme als Nebeneffekt. Ohne Training bringt er jetzt ein Seniorenkampfgewicht von 85 Kilo auf die Waage, vor dem Comeback waren es 105.

Ein Original wie der Fahrer ist auch die 250er Jawa. Die ist in Enduro-Kreisen Kult und längst Geschichte. Die Maschine hat die persönliche Startnummer 670, die kann Liese behalten solange er fährt, egal mit welcher Maschine. Tut er das noch mit 70 und aufwärts, dann bekommt er eine 7er-Nummer, damit die Zuschauer wissen, in welcher Altersklasse er fährt. Der „verrückte Hund“ schielt schon zur 7er-Nummer...

Von Helmut Mayer

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