Bürgermeister Jochen Kistner tritt am 4. November zur Wiederwahl an und hat keinen Gegenkandidaten

Das wird eine Wahl ohne Kampf

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Grau und spärlich war Jochen Kistners Haarpracht schon, bevor er Bürgermeister wurde. Er liebt sein Amt und tritt optimistisch und gern noch einmal an.

Wehretal. Stell dir vor, es ist Wahl und keiner geht hin! Dieses Szenario treibt Wehretals Bürgermeister Jochen Kistner derzeit um, der am 4. November wiedergewählt werden möchte. Doch nichts deutet in Wehretal auf dieses Ereignis hin, keine Veranstaltungen, keine Plakate, keine Redeschlachten im Vorfeld. Kein Wunder, es gibt nämlich keine weiteren Kandidaten, weder aus den örtlichen Parteireihen noch von auswärts.

Im November 2006 war Kistner einer von vieren und gewann souverän im ersten Anlauf mit 52,3 Prozent. Dieses Mal haben CDU, FWG und FDP auf einen Kandidaten verzichtet, der oder die wäre chancenlos gegen Jochen Kistner. Denn dem attestieren alle eine optimale Zusammenarbeit, „ich habe nie etwas durchgeboxt“, sagt er, trotz komfortabler SPD-Mehrheit in Gemeindevertretung und -vorstand. Kistner hält sich für „offen und ehrlich“, in der Verwaltung, der er seit 33 Jahren angehört, duzt man ihn ebenso wie die Bürger auf der Straße.

Was er sich vorgenommen hat vor sechs Jahren, ist fast alles umgesetzt worden, von „hervorragenden Kindergärten“, Familienfreundlichkeit, Vereinsunterstützung, Straßen- und Kanalbau, Wander- und Radwege, immer umfangreicheren Ferienspielen, gut angenommenen Bürgermeistersprechstunden in allen Ortsteilen bis zum besser gewordenen Klima und Umgang miteinander in der Gemeindevertretung, Jochen Kistner kann vieles auf der Habenseite verbuchen. Größte Enttäuschung war, dass ihm per Bürgerentscheid die Obermühle aus den Händen geglitten ist und „gegen die Ausdünnung der Schule waren wir machtlos“. Stolz ist er auf den begonnenen Bau eines Seniorenheims, dass Raiffeisen in Wehretal geblieben ist und die Verwaltung in die alte Schule umziehen konnte.

Dort steht seine Tür stets offen, so wie er bei vielen ehrenamtlichen Einsätzen selbst Hand anlegt mit aufgekrempelten Ärmeln, so, wie er sich auf einer Broschüre vor sechs Jahren vorgestellt hat. Er hat wieder eine anfertigen lassen, ein paar Plakate dürfen es sein in den nächsten Tagen, eine Infoveranstaltung am 28. Oktober, einen Kugelschreiber wird er verschenken mit der Aufschrift „Nah bei den Bürgern“.

Das soll es auch gewesen sein, denn „ich verspüre keinen Druck, muss nicht auf Angriffe reagieren, das hat auch Vorteile“, kann Kistner gut und gern mit der Wahl ohne Kampf leben. Er wünscht sich eine hohe Wahlbeteiligung und für die zweite Amtszeit die Autobahn, „auf die wir vorbereitet sind“, nicht nur mit derzeit 31 Bauplätzen. Ein Bürgerbus schwebt ihm vor, die örtliche Innenentwicklung will er vorantreiben und weiterhin keine Straßenbeiträge erheben müssen.

Am 2. Februar wird Kistner 55, am 1. April will er ein zweites Mal durchstarten. 4221 Wähler haben die Wahl: Kistner oder nicht Kistner? So einfach ist das in Wehretal...

Von Helmut Mayer

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