In Tante Dorthchens altem Wohnhaus hat gestern Weißenborns Postfiliale eröffnet

Einschreiben aus der Küche

Zum Start kommt gleich ein Riesenpaket: Die Verkäuferinnen Anita Holzapfel (ganz links) und Nicole Eisenträger nehmen das Paket von Katja Tiefenbach entgegen. Foto: Bettinger

Weißenborn. Einst wurde gekocht, heute wird gestempelt: In Tante Dorthchens Küche hat gestern die Ersatz-Postfiliale für Weißenborn ihre Pforten geöffnet. „Ich freue mich, dass wir weiterhin eine Post haben“, sagt Bürgermeister Mäurer, betont aber, dass die Suche nach einem Einzelhändler, der die Postgeschäfte dauerhaft in seinem Laden betreibt, weitergeht.

Zum 30. September hatte die Deutsche Post AG ihren Vertrag mit der Landbäckerei Bechthold-Stange gekündigt, weil Inhaber Martin Stange zusätzlich auch Dienstleister des Postkonkurrenten Hermes ist. Drei Jahre lang hatte er friedlich beide Paketdienste parallel anbieten können. Einig wurde man sich trotzdem nicht mehr. So begann in Weißenborn die Suche nach Ersatz. Bislang erfolglos.

„So kommt Leben in Tante Dorthchens Haus.“

Thomas Mäurer

Da die Post laut der Post-Universaldienstleistungsverordnung von 1999 jedoch verpflichtet ist, in jeder eigenständigen Gemeinde mindestens eine Filiale anzubieten, ist kurzfristig die Gemeinde Weißenborn eingesprungen und hat die 16 Quadratmeter große Küche an die Post vermietet.

„Lieber wäre mir natürlich gewesen, wir hätten den alten Standort in der Bäckerei beibehalten können“, sagt Mäurer. Aber mit der Interimslösung zeigt er sich auch zufrieden: „So kommt Leben in Tante Dorthchens Haus.“

Noch stehen nicht alle Möbel, und die Verkäuferinnen Anita Holzapfel und Nicole Eisenträger müssen noch das eine oder andere suchen. Aber heimeliger könnte eine Postfiliale kaum sein: Über dem Gasofen hängen noch Tante Dorthchens karierte Topflappen an der Wand, der Querbalken ist so niedrig, dass große Menschen sich ducken müssen, und die Häkelgardinen an den Fenstern sorgen für Wohnzimmer-Atmosphäre.

Die Männerwerkstatt, eine Arbeitsgemeinschaft von freiwilligen Helfern, dich sich im Zuge des Workshops „Älter werden in Weißenborn“ gegründet hat, brachte die Schilder an und richtete die Außenfassade her. Die Innenrenovierung übernahm die Post.

Die Filiale hat montags, mittwochs, freitags und samstags von 9 bis 11 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Dort sind ab sofort auch die neuen Postkarten von Weißenborn erhältlich.

Von Stefanie Bettinger

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