Ofen heizen nur mit Reisig

Rambacher Initiative Backwahn erwirtschaftet mit Broten Geld für 725-Jahr-Feier

Inititatoren der Aktion „Rambacher Backwahn“: (von links) Kai Reinhardt-Ziegler, Vrauke Krause und Gertrud Ziegler im Café Landlust. Links ist eine sogenannte Backwelle zu sehen. Ein stilisiertes Reisigbündel ist auch Bestandteil des Weißenborner Wappens. Foto: Spanel

Rambach. Die 725-Jahr-Feier in Rambach steht bevor, jeder Euro kommt da recht. Eine kleine Gruppe hat sich deshalb etwas Besonderes ausgedacht: Sie backt Brote nach altem Rezept, der Erlös aus dem Verkauf wird gespendet.

Das Backen eines guten Brotes erfordert vor allen Dingen eins: Respekt vor den alten Traditionen. Davon sind Gertrud und Kai Reinhardt-Ziegler, Betreiber des Cafés Landlust, und Vrauke Krause überzeugt. Das Trio hat das ursprüngliche Backhandwerk wiederentdeckt und die Aktion „Rambacher Backwahn“ ins Leben gerufen. Gemeinsam mit neun Mitstreiterinnen heizen sie nun in regelmäßigen Abständen den Ofen des erst kürzlich grundsanierten Rambacher „Backhüs“ unterhalb des Dorfgemeinschaftshauses an.

„Die Idee entstand im vergangenem April aus einem Kneipenplausch heraus und wurde schnell zum Selbstläufer“, sagt Gertrud Ziegler mit einem Schmunzeln. „Das Geld, das wir durch den Verkauf der selbstgebackenen Brote erwirtschaften, wird komplett für die 725-Jahr-Feier unserers Ortes im Juni gespendet.“ Über 120 Euro seien auf diese Weise bereits zusammengekommen.

In erster Linie gehe es den Initatoren aber darum, durch die Aktionen die Gemeinschaft im Dorf zu stärken - und das Backhandwerk nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. „Ein Verein mit festen Regeln wollten wir nie sein“, sagt Ziegler. Auch einen gewerblichen Verkauf der Backwaren lehnen die Initiatoren ab. Ausschließlich die Brote, die nach einer Backaktion übrig bleiben, würden verkauft. Nachschub gebe es dann erst beim nächsten gemeinsamen Termin.

„Unser Brot ist frei von jeglicher Chemie“, sagt Kai Reinhardt-Ziegler. Das verwendete Mehl etwa beziehe er von einer Mühle in Ershausen (Landkreis Eichsfeld); fein abgestimmte Gewürze wie Kümmel, Koriander, Anis und Fenchel geben dem Rambacher „Backhüs“-Brot seine besondere Note. Durch das fachkundige Backen werde die Kruste dunkelbraun und knusprig; die Krume hingegen bleibe saftig und habe einen milden Sauerteiggeschmack.

„Wir mussten uns sowohl die Rezepte als auch die richtige Handhabung des Ofens erst aneignen“, sagt Gertrud Ziegler. Schließlich herrschten in einem Backhaus andere Bedingungen als im heimischen Ofen. So erfordere etwa das Heizen viel Fingerspitzengefühl. Verwendet werden sogenannte Backwellen - auf etwa einen Meter zugeschnittener und mit einem Leinenseil gebündelter Reisig.

„Mittlerweile liefern die Rambacher sogar ihren Strauchschnitt, den wir für die Herstellung der Backwellen verwenden, bei uns ab“, sagt Ziegler. Die Backzutaten inklusive des Sauerteigs würden vom Café Landlust gestellt; gibt es Sonderwünsche, müssen die Zutaten selbst mitgebracht werden.

Zurzeit macht die Initiative aber eine Pause: Die nächsten gemeinsamen Backaktionen soll es erst wieder nach der 725-Jahr-Feier geben.

Von Emily Spanel

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