Red Dead Redemption: Der Western-Hammer im Test

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John Marston hat einen Banditen am Wickel. Screenshot aus Red Dead Redemption ( Rockstar Games; XBox 360, Playstation 3; ab 18 Jahren).

Los Angeles - Mit Red Dead Redemption will Rockstar Games die Messlatte für Action Spiele im Allgemeinen und für Western-Games im Besonderen ein Stück höher hängen. Das Spiel im Test:

Rockstar Games – seit dem ersten Teil der Grand Theft Auto-Reihe sind sie die ungekrönten Könige der Open-World-Spiele. Ihre Markenzeichen: Schier grenzenlose Bewegungsfreiheit in digitalen Spielwelten. Coole Storylines. Ein perfekt auf die Atmosphäre abgestimmter Soundtrack. Und dazu ein ordentlicher Klacks Gewalt. Nach diesem Rezept funktionierten und funktionieren die GTA-Spiele.

Story

Nun verlegt Rockstar Games die Open World Erfahrung vom Großstadtmoloch unserer Tage in die Weiten des Wilden Westens zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Das Resultat heißt „Red Dead Redemption“.

Um es vorwegzunehmen. Rockstar Games hat nichts weniger als das beste Western-Game der Videospiel-Geschichte vorgelegt. Verdreckte Cowboystiefel, Wüstensand und rauchende Colts- noch nie wurden diese Elemente des klassischen Westernfilms derart packend für eine Spiele-Plattform umgesetzt.

Bilder aus Red Dead Redemption

Bilder aus Red Dead Redemption

In der Hauptrolle des Pistolen-Epos: John Marston, ein früherer Bandit und Gesetzesbrecher, der mittlerweile auf den Pfad der Tugend finden will. Doch Marstons kriminelle Vergangenheit will nicht so einfach vergehen. Ein aus den einschlägigen Filmen bekanntes Klischee zwar, das aber die perfekten Voraussetzungen für eine großartige Spielerfahrung schafft. Dazu tragen vor allem die grandiosen Charaktere bei, denen man in der heruntergekommenen Spielwelt am Rande der mexikanischen Grenze begegnet.

Gameplay

Wer schon einmal einen Teil der GTA-Reihe gespielt hat, wird sich in Red Dead Redemption sofort wie zu Hause fühlen. Sogar den Radar, mit dem die einzelnen Missionen und Locations angesteuert werden, hat Rockstar Games beibehalten. Nur dass man die Spielwelt statt mit Auto, Motorrad und Lastwagen dieses Mal mit Pferden und in Kutschen durchquert.

Rockstar Games hat beim Design aus den Vollen des Western-Fundus geschöpft. Die Tierwelt mit Büffeln, Mulis und Geiern ist extrem vielfältig. Tag- und Nachtwechsel wirken sich auf die Stimmung aus. Die hügelige Prärielandschaft mit den zahllosen Kakteen und Staubballen ist traumaft gestaltet. Die Orte mit ihren Holzhäusern, Saloons, Pferdetränken und dem ganzen High-Noon-Flair sind ebenso eine Augenweide. Die Detailfreudigkeit der Designer ist wirklich absolut vorbildlich! Allein das Erkunden der wunderschönen Landschaften garantiert jede Menge Spielspaß.

Die Spielfiguren sprechen absolut lippensynchron. Der Soundtrack ist so cool, dreckig und dramatisch wie es sich für einen moderne Western gehört.

Die Ballereinlagen mit den vielen Colts und Flinte spielen sich extrem lässig und leicht – nicht zuletzt dank der Zielhilfe, die auch ungeübten Gringos schnell zu präzisen Treffern verhilft. Die getroffenen Schurken gehen effektvoll und extrem blutig zu Boden. Aber das kennt man ja bereits aus GTA. Was mittlerweile auch in fast keinem Third-Person-Shooter mehr fehlt: Die Bullet-Time-Effekte im Stil von Matrix. Übrigens gibt es neben den handlichen Ballermännern noch jede Menge großkalibrigere Wummen, wie Maschinengewehre – oder man fetzt die Hütten und Haciedas gleich mit einer Stange Dynamit weg.

Dennoch ist das Spiel mehr als nur ein Western-GTA. Neben der Hauptstory, die eine reine Spielzeit von knapp 20 Stunden dauert, bietet das Spiel noch jede Menge Nebenmissionen: Egal ob es das Eintreiben von Vieh ist, das Zähmen der Wilden Pferde, das Jagen von wilden Tieren, die Gelegenheitsjobs als Kopfgeldjäger, Schatzsuchen, die Duelle am Pokertisch oder mit dem Colt in der Hand. Es gibt so viel zu entdecken und zu erleben, dass man sich nur noch schwer von der Konsole trennen kann.

Die Atmosphäre ist so cool wie in einem Film mit Peter Fonda oder John Wayne. Wo wir bei einem wichtigen Punkt des Spiels wären: Red Dead Redemption stellt uns laufend vor moralische Entscheidungen. Wir entscheiden, ob unser Held John Marston als kaltblütiger Killer à la Peter Fonda in „Spiel mir das Lied vom Tod“ agiert – odr als tugendhafter Cowboy im Stile von John Wayne in „Rio Bravo“. Je nachdem, wie wir uns entscheiden, wirkt sich das auf den Fortgang der Handlung aus.

Großes Lob: Die Bewegungen der Pferde sind höchst realistisch animiert. Zuweilen schleift man auch als Outlaw-Fänger einen bösen Buben am Seil hinter dem Gaul her.

Lustig ist auch der Online-Modus. Hier kommt es bisweilen zu Massenschießereien, die fatal an die Schlussszene im Western-Epos „Tombstone“ erinnern. Hier sammelt man auch Punkte, mit denen man seine Charaktereigenschaften verbessert oder etwa neue Pferde freischaltet.

Fazit:

Unsere Cowboy-Träume werden wahr. Hier dürfen wir unsere Wildwest-Phantasien austoben. Red Dead Redemption ist bislang DAS Action-Highlight des Jahres. Wer das Spiel nur mal kurz ausprobiert, wird definitiv mit dem Western-Fieber infiziert. Ein unverwechselbares Symptom: Spontane „Yippie ,Yippie, Yeah!“-Rufe.

Genre: Action Adventure

Hersteller: Rockstar Games

Für: PS3, XBox 360

Altersfreigabe: Ab 18 Jahren

fro

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