Rechtschreibprobleme nach der Grundschule loswerden

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"Tihre" und "Zehne": Lernen Kinder das Schreiben nach Gehör, schleichen sich häufig viele Fehler ein. Regelmäßiges Üben kann in diesem Fall helfen. Foto: Matthias Hübner

Neuried (dpa/tmn) - "Tso" statt "Zoo": Auch nach der Grundschule fällt es vielen Kindern schwer, Wörter richtig zu schreiben. Manche Fachleute machen dafür das Schreiben nach Gehör verantwortlich. Mit ein paar Minuten üben am Tag können Kinder schnell sicherer werden.

Sie "kempfen" mit den Hausaufgaben und sind "vertig" mit den "Nerfen", wenn ein "Dicktat" ansteht: Viele Schüler in weiterführenden Schulen haben Probleme mit der Rechtschreibung. Fritz Jansen, Verhaltenstherapeut aus Neuried macht Mut: "Mit gezieltem Training kann innerhalb eines Jahres das Rechtschreibproblem gelöst werden."

"Schreiben nach Gehör": Diese Methode ist seit einigen Jahren Basis des Rechtschreiblernens an deutschen Grundschulen. Mit Anlauttabellen lernen die Kinder, die Buchstaben der Wörter herauszuhören. Die Methode ist umstritten. Zu Recht, sagt Jansen: "Vieles, was sich gleich anhört, wird doch unterschiedlich geschrieben. Wie sollen Kinder beispielsweise hören, dass man Bus mit s und Kuss mit ss schreibt?"

Eine weitere Hürde: Beim Schreiben nach Gehör wird nicht gleich korrigiert. An vielen Schulen erfolgt die Verbesserung der Fehler erst nach und nach ab Klasse 2. "Doch auf diese Weise bilden sich falsche Angewohnheiten", sagt Ruth Hölken, Diplom-Pädagogin aus Münster. Wer 100 Mal "bund" statt "bunt" schreibt, werde das beim 105. Mal wieder machen, erklärt die Expertin.

Doch wer auch immer schuld an dem Dilemma ist, den betroffenen Kindern nützt die Ursachenforschung wenig. Jansen rät Eltern, ihren Kindern deutlich zu machen, dass sie nichts dafür können. Es liege an der Methode, mit der sie unterrichtet wurden, nicht an mangelnder Intelligenz.

Auch Wiltrud Richter vom Landesverband bayerischer Schulpsychologen in München empfiehlt klärende Worte: "Sagen Sie Ihrem Kind, dass das eine Übergangsphase ist, und es vielen anderen Kindern genauso geht." Auf dieser Grundlage können die Kinder dann für das Lernen der richtigen Schreibweisen motiviert werden.

Doch wer soll mit dem Kind üben? Die Eltern? "Wenn sie sich das zutrauen, auf jeden Fall", findet Hölken. Bei starken Rechtschreibschwierigkeiten empfiehlt sie aber zunächst eine Untersuchung beim Kinder- und Jugendpsychologen.

Liegt es jedoch nur an der Methode, gilt es mit dem Lernen loszulegen. Zehn Minuten pro Tag reichen laut Jansen aus, am besten zu einer regelmäßigen Tageszeit. Komplizierte Rechtschreibregeln, könnten Eltern dabei ausblenden: "Dehnungs-H und Co. braucht kein Mensch. Die Kinder müssen die Wörter visualisieren. Das ist das Allerwichtigste."

Damit die richtige Schreibweise vor dem inneren Auge erscheint, können Eltern zum Beispiel mit Karteikarten üben. Jedes falsch geschriebene Wort aus Hausaufgaben und Diktaten kommt richtig geschrieben auf eine Karte. Diese muss sich das Kind einprägen und buchstabieren. Auf diese Weise visualisiere das Kind die richtige Schreibweise und speichere sie im Kopf ab, sagt Jansen.

Auch das Schreiben von Texten unter Zeitdruck, wie es in Diktaten der Fall ist, könne geübt werden. "Die Aufgabe des Kindes besteht darin, vor dem Schreiben eines Wortes kurz innezuhalten und die Visualisierung abzurufen," erklärt Jansen. So schleiche sich der Automatismus des Schreibens nach Gehör langsam aus.

3000 bis 4000 Wörter beinhaltet der Grundwortschatz für die aktive Sprache. "Mehr als 1000 Wörter schreibt dabei kein Kind falsch", ist Jansen überzeugt. Wenn ein Kind jeden Tag drei falsch geschriebene Wörter richtig lerne und diese in den nächsten Wochen ausreichend wiederhole, habe es in rund einem Jahr seine Rechtschreibprobleme gelöst.

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