Griechenland: Das blaue Wunder

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Wo die Krise Urlaub macht: Inseln wie Santorin trotzen allen wirtschaftlichen Problemen. Die Buchungen boomen.

Deutsche Touristen lassen sich von Staatskrise und Streiks nicht schrecken. Die Buchungszahlen für Griechenland steigen. Über das blaue Tourismuswunder...

...sprachen wir mit Michael Karavas, Geschäftsführer des Münchner Griechenland-Spezialisten Attika Reisen.

Herr Karavas, Staatspleite und Streik scheinen dem Tourismus in Griechenland nichts anzuhaben. Die Veranstalter melden durchwegs steigende Buchungszahlen. Wie sieht es in Ihrem Unternehmen aus?

Auch wir haben im Vergleich zum Vorjahr Zuwächse zu verzeichnen.

Womit erklären Sie sich das Phänomen? Hat Griechenland besonders treue Urlauber?

Neulich sprachen wir mit einem Ehepaar, das zum 28. Mal mit Attika nach Griechenland gereist war. Es ist wohl so, dass ein beträchtlicher Teil der Griechenland-Urlauber das Land wählt, weil sie früher gute Erfahrungen dort gemacht haben.

Wer sind Ihre Gäste?

Meistens Gäste mit einem höheren Bildungsniveau, wirtschaftlich gut situiert, die die Hintergründe der aktuellen Situation besser verstehen und von Zufallsstimmungen oder Preiskriterien weniger beeinflusst werden.

Welche Rolle spielt die Nordafrika-Krise beim derzeitigen Buchungs-Boom für Griechenland?

Wir sind fast der Überzeugung, dass das bei der Mehrzahl der deutschen Griechenland-Gäste keine wesentliche Rolle gespielt hat. Urlauber, die nach Tunesien oder Ägypten gereist sind, haben diese Länder aus landes- oder preisspezifischen Gründen gewählt.

Welche griechischen Destinationen/Inseln sind bei Ihnen in diesem Jahr besonders gut gebucht?

Kreta, die Kykladeninseln, die in der Gunst der deutschen Urlauber stets auf hohem Rang stehen, aber auch der Epiros, Pilion/Skiathos und Südpeloponnes.

Gibt es bei der Art von Urlaub (Bade- oder Kulturreise, Standort-Reise oder Rundreise) Präferenzen?

Vor allem Standortreisen und Kombinationen von Bade- und Kulturreisen und Inselhüpfen werden stark bevorzugt.

Wie steht es um die Preise? Ist Urlaub in Griechenland teurer geworden oder wirbt das Land mit Preissenkungen um Urlauber?

Selbstverständlich wirbt die griechische Hotellerie auch mit Preiszugeständnissen um deutsche Urlauber. Große Wirkung haben großzügige Frühbucherrabatte erzielt, die bis Mai gegolten haben.

Es drohen immer noch Streiks. Hat ein Veranstalter wie Attika Reisen für den Fall, dass die Gäste in Mitleidenschaft gezogen sind, einen Notfallplan? Werden die Urlauber im Vorfeld über Eventualitäten informiert?

Abgesehen von geringen Verspätungen beim Fliegen ist es uns gelungen, in Zusammenarbeit mit den Fluggesellschaften hier und in Griechenland selbst beim letzten 48- Stunden-Streik weitere Beeinträchtigungen für unsere Gäste zu vermeiden. Die Kunden, die im Vorfeld darüber informiert wurden, reagierten mit verständnisvoller Gelassenheit. Die Auswirkungen des Streiks waren bisher vornehmlich in Athen bzw. Thessaloniki spürbar.

Die Mitarbeiter Ihres Athener Büros stehen in ständigem Kontakt zu den Urlaubszielen/Inseln landesweit. Wie ist die Stimmung in den Urlaubsgebieten? Gibt es eine Deutschen-feindliche Stimmung?

Von einer besonderen Stimmung in den Urlaubsregionen des Landes gab es bisher keinen einzigen Bericht. In allen Ländern der Erde kann man bei Demonstrationen in Großstädten ein Gemisch aus verschiedenen Gruppen beobachten, welche Parolen gegen andere Gruppen, Länder oder Personen skandieren. Man kann nicht davon ausgehen, dass sich die gesamte Gesellschaft des betreffenden Landes diese Parolen zu eigen macht oder gutheißt.

Abschließend bitte noch ein persönliches Wort des griechischen Reiseveranstalters an die deutschen Urlauber.

Unstrittig ist eine Minorität der Griechen für das in den letzten 30 Jahren aufgebaute faule System und die maroden Staatsfinanzen verantwortlich. Griechenland-Besucher kommen glücklicherweise mit ihnen kaum in Kontakt. Die Gäste des Landes lernen vor allem die große Mehrheit der Griechen kennen, die laut OECD-Statistiken in ganz Europa die meisten Arbeitsstunden pro Woche absolvieren. Wenn sich die Besucher an die letztere Gruppe halten, helfen sie die Missstände der Vergangenheit schneller zu beseitigen.

Interview: Christine Hinkofer

DAS KOSTET DER URLAUB IN GRIECHENLAND

SAMOS Drei-Sterne-Hotel Stella Bay, eine Woche im Doppelzimmer mit Frühstück inkl. Flug und Transfers ab 539 Euro pro Person, gültig z.B. am 1. August ab München. Attika Reisen.

RHODOS Club Calimera Porto Angeli in Archelangelos (vier Sterne), eine Woche all inclusive mit Flug z.B. am 24. September ab München: ab 769 Euro pro Person.

ITS KRETA Drei-Sterne-Hotel Nicolas, Georgioupolis, eine Woche im Doppelzimmer mit Frühstück inkl. Flug nach Chania/Westkreta ab 599 Euro pro ­Person, gültig z.B. am 23. Juli ab München. Attika Reisen.

THASSOS Drei-Sterne-Hotel Dionyssos, Chrissi Ammoudia/Golden Beach, eine Woche im Doppelzimmer mit Frühstück inkl. Flug nach Kavala ab 589 Euro pro Person. gültig z.B. am 24. September ab München. Attika Reisen.

KORFU Viereinhalb-Sterne-Hotel LTI Grand Hotel Glyfada, eine Woche all inclusive ab 693 Euro mit Flug z.B. am 27. September ab München. Jahn Reisen.

MYKONOS Drei-Sterne-Hotel Vanilla, Ornos-Strand, eine Woche im Doppelzimmer mit Frühstück inkl. Flug und Transfers ab 699 Euro pro Person, z.B. am 27. Juli ab München. Attika Reisen.

KOS Vier-Sterne-Hotel Atlantica Porto Bello Beach in Kardamena, eine Woche all inclusive mit Flug z.B. am 10. September ab München ab 955 Euro. ITS Reisen.

LESBOS Dreieinhalb-Sterne-Hotel Delfinia bei Molyvos, jetzt Preisabschlag bis zu 100 Euro pro Person, 1 Woche im Doppelzimmer mit Frühstück inkl. Flug nach Lesbos und inkl. Transfers ab 639 Euro pro Person, gültig z.B. am 10. August ab München. Attika Reisen.

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