Gebrauchsanweisung für Japan

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Hoch und heilig: Der Gipfle des Fuji ist mit Schnee bedeckt, zu seinen Füßen ergießt sich jetzt im Frühjahr ein Meeer aus Kirschblüten.

Die Touristen kommen zurück. Zwei Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima liegt die Zahl der Japan-Besucher wieder bei 8,4 Millionen pro Jahr. 109.000 davon waren Deutsche. Einer davon: Unser Autor Christian Vordemann.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Touristen hat er versucht, das fernöstliche Land, in dem wir Europäer die Sprache nicht einmal lesen, geschweige denn verstehen, auf eigene Faust zu bereisen. Sein Erfahrungsbericht und viele Tipps:

AUTO & ZUG

Sehr empfehlenswert ist der Kauf eines Japan-Rail-Passes vor Reisebeginn in Deutschland. Es gibt ihn für eine Woche (277 Euro), zwei oder drei Wochen (441 bzw. 563 Euro) im Internet unter www.der-japan-rail-pass.de. Damit kann man bis auf wenige Ausnahmen mit allen Zügen fahren. Die sind pünktlich, schnell und sauber.

Zeichensprache: Christian Vordemann hatte keine Verständigungsprobleme.

Es ist ratsam, Sitzplätze zu reservieren, für den Narita-Express vom Hauptbahnhof Tokios zum internationalen Flughafen Narita ist eine Reservierung sogar Pflicht. Die berühmten Shinkansen-Züge sind superschnell. Beispiel: Die 88,6 Kilometer auf der Hauptinsel Honshu von Okayama nach Himeji mit der wohl schönsten Burganlage Japans legt der japanische ICE in 20 Minuten zurück.

Es gibt übrigens kein Schwarzfahren in Japan. Spätestens beim Verlassen des Busses oder des Bahnsteiges wird gezahlt. Wurde eine zu geringe Fahrkarte gelöst (oder die Fahrt spontan verlängert), wird einfach nachgezahlt.

Der Nahverkehr ist gut ausgebaut. Die Preise entsprechen Münchner Niveau. Es gibt zum Teil Tagesangebote wie die Bus-Tageskarte in Kyoto für 500 Yen (umgerechnet 4 Euro). In Tokio erhält man für 500 Yen den Pasmo Suica-Pass, eine Plastikkarte, die dann noch mit 1500 Yen aufgeladen wird (in Bahnhöfen und einigen Geschäften). Damit erspart man sich das Raussuchen des richtigen Tarifs.

Wer in Japan Auto fahren will, muss seinen Führerschein übersetzen und beglaubigen lassen. Aber: Verkehrsschilder nur in japanischer Schrift erschweren die Orientierung. Parkplätze sind rar und sehr teuer.

INFOS & STADTPLÄNE

An größeren Bahnhöfen gibt es eine Touristen-Information mit Englisch sprechenden Mitarbeitern. Stadtpläne und Broschüren erhalten Sie dort kostenlos. Sehr gut ist der Link www. hyperdia.com. Damit kann man Zugfahrpläne und Routen in ganz Japan finden und ausdrucken. Es werden auch Preise, Fahrtzeiten und Kilometer angegeben. Diesen unschätzbaren Service gibt es auf Englisch.

RESERVIEREN & WOHNEN

Über booking.com haben wir Hotels aller Preisklassen und Lagen herausgesucht. Die Preise, einfacher Standard, entsprechen mitteleuropäischem Niveau (DZ ab 50 Euro). Die Bestätigung kommt prompt aus Japan zurück, Stornierung ist kostenlos bis einen Tag vor Hotelbezug. Tipp: Wenigstens einmal sollte man in einem Ryokan nächtigen, einem traditionellen japanischen Hotel.

GELD & WÄHRUNG

Schwierig ist es, an Geld zu kommen. Nur wenige Geldautomaten akzeptieren europäische Kredit- und Bankkarten. Am ehesten geht es bei Postämtern. Oft gibt es aber auch dort Fehlermeldungen. Deshalb ist es ratsam, mehrere Karten und eine Barreserve mitzunehmen.

SPRACHE & VERSTÄNDIGUNG

Obwohl alle Japaner heute Englisch lernen, trifft man wenige, die es gut sprechen. Außerhalb großer Städte und Touristenorte hört es auch mit zweisprachigen Speisekarten auf. Aber dank der Höflichkeit der Japaner geht es doch irgendwie voran.

ESSEN & TRINKEN

Mit 377.000 Quadratkilometern ist Japan flächenmäßig der viergrößte Inselstaat der Welt.

Für Liebhaber von Fisch und Meeresfrüchten ist Japan ein Paradies. Roh, gegrillt, gekocht, frittiert – Fisch in allen Variationen. Die Japaner haben den höchsten Fischkonsum pro Kopf weltweit. Da die Hygienestandards hoch sind, kann man bedenkenlos alles und überall essen. Natürlich hat Fisch wie bei uns auch seinen Preis. Aber es gibt auch günstige Gerichte in zahlreichen kleinen Lokalen, zum Beispiel eine leckere Nudelsuppe (soba) aus Buchweizen mit Gemüse und frittierten Garnelen für 500 Yen (4 Euro). Oder für unterwegs die Bentoboxen am Bahnhof (ekiben) zum Mitnehmen für unter 10 Euro. Deutsches Bier oder französischer Wein reißen tiefe Löcher in die Reisekasse. Für Gast und Geldbeutel bekömmlicher ist der grüne Tee, den es überall zum Essen gibt, meist ist er im Preis inbegriffen.

REISEZEIT & KLIMA

Im Sommer ist Japan – Tokio liegt etwa auf der Höhe von Sizilien – heiß und schwül. Besser eignen sich Frühjahr und Herbst, die auch besondere Naturschauspiele bieten: die Kirschblüte bzw. das rotverfärbte Laub des japanischen Ahorns. Im Frühjahr hat es in Mitteljapan schon gut 20 Grad. Abends und im Gebirge wird es aber empfindlich kühl. Dafür kann der Reisende sich in zahlreichen Thermalbäder (Onsen) – die Insel ist größtenteils vulkanisch – entspannen und aufwärmen.

REISEROUTE & ZIELE

Für die erste Woche war Kyoto, von 794 bis 1869 Residenzstadt der Kaiser, gerade richtig. Den Moloch Tokio hoben wir uns für das Ende der Reise auf. Kyoto blieb im Zweiten Weltkrieg unzerstört und ist etwa so groß wie München. Es gibt dort hunderte Tempel und Schreine und den Kaiserpalast, für den man im Internet frühzeitig eine Führung bestellen sollte (sankan.kunaicho.go.jp/english/guide). Die kunstvoll angelegten japanischen Gärten, wie etwa der um den goldenen Pavillon in Kyoto, sind Oasen der Ruhe inmitten der Großstädte.

ZUM SCHLUSS

Nach einigen Tagen Eingewöhnung und vor allem dank der gastfreundlichen Japaner kommt einem das Land gar nicht mehr so fremdartig vor.

Zahlen & Fakten

Mit 377.000 Quadratkilometern (vgl. Deutschland: 357.000 Quadratkilometer) ist Japan flächenmäßig der viergrößte Inselstaat der Welt. Der Archipel mit insgesamt fast 6500 Inseln liegt vor der Ostküste des asiatischen Kontinents. Honshu ist die rund 1300 Kilometer lange und bis zu 240 Kilometer breite Hauptinsel. Landwirtschaft, Industrie und Besiedelung beschränken sich allerdings auf rund 20 Prozent der Landfläche. Höchster Berg Japans ist der Fuji mit 3776 Metern. Eine Besonderheit in Japan sind die heißen Thermalquellen, Onsen genannt (Foto links). Die Inseln sind größtenteils vulkanischen Ursprungs.

Christian Vordemann

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