Adoptionen in Deutschland auf Tiefststand

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3888 Kinder und Jugendliche wurden 2009 in Deutschland von Stiefeltern, Verwandten oder zunächst Fremden angenommen. Das sind 7,5 Prozent weniger als im Vorjahr.

Wiesbaden - Erneut ist die Zahl der Adoptionen in Deutschland auf einen Tiefststand gefallen. Seit 1994 hat sich die Zahl der jährlichen Adoptionen halbiert.

Die Zahl der Adoptionen in Deutschland nimmt weiter ab. Mit 3.888 Adoptionen wurde vergangenes Jahr ein Rekordtiefststand erreicht, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Allein seit 2004 nahm die Zahl der Adoptionen um knapp ein Viertel ab, gegenüber 1994 sogar um mehr als die Hälfte. Im Jahr 2009 waren 52 Prozent aller Annahmen von Kindern Stiefelternadoptionen. Bei einer Stiefelternadoption wird der oder die Minderjährige von einem neuen Partner des leiblichen Elternteils adoptiert.

185 Kinder wurden durch Verwandte adoptiert, 1.692 Kinder durch nicht verwandte Personen. Bei den erfassten Zahlen sind laut Statistikamt alle Inlandsadoptionen berücksichtigt. Auslandsadoptionen - also Familien, die ein Kind aus dem Ausland annehmen - können nur dann erfasst werden, wenn eine deutsche Behörde oder Vermittlungsstelle am Adoptionsverfahren beteiligt war.

Keine pauschale Erklärung für Adoptionsrückgang

Nach Angaben des Familienministeriums geht auch die Zahl der Auslandsadoptionen seit Jahren kontinuierlich zurück. So gab es 1992 noch 792 Eltern, die in ein Kind aus dem Ausland adoptieren. 2009 lag die Zahl bei 412 und somit rund 50 Prozent darunter. Für den Rückgang bei den Inlands- und den Auslandsadoptionen spielten sehr unterschiedliche und individuelle Beweggründe eine Rolle, argumentierte das Familienministerium. Eine pauschale Erklärung, warum die Zahlen seit Jahren zurückgingen, könne nicht gegeben werden, sagte eine Sprecherin.

Die Bundeszentralstelle für Auslandsadoptionen vermutet eine veränderte Adoptionspolitik im Ausland als Grund für die rückläufigen Zahlen. “Wir erklären uns das Phänomen damit, dass die ausländischen Länder die Inlandsadoption in ihren Heimatstaaten stärken“, sagte ein Sprecher. Dadurch würden weniger Kinder zur Adoption nach Deutschland freigegeben. Von den im Jahr 2009 adoptierten Kindern waren dem Statistikamt zufolge 30 Prozent unter drei Jahre alt.

Jeweils rund 15 Prozent der Adoptierten waren drei bis fünf Jahre, sechs bis acht Jahre beziehungsweise neun bis elf Jahre alt. 25 Prozent der adoptierten Kinder waren 12- bis 17-Jährige. Für eine Adoption vorgemerkt waren 2009 insgesamt 818 Kinder und Jugendliche. Das waren knapp sechs Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Adoptionsbewerbungen verminderte sich gegenüber 2008 um neun Prozent. In den Adoptionsvermittlungsstellen lagen somit insgesamt 7.139 Adoptionsbewerbungen vor. Damit lag das Verhältnis von Adoptionsbewerbungen zur Zahl der zur Adoption vorgemerkten Minderjährigen rein rechnerisch bei 9:1.

dapd

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