"Hotel Mama"? Nicht in Deutschland!

Wiesbaden - “Hotel Mama“ - das gilt in vielen europäischen Ländern, doch am wenigsten in Deutschland. Hier suchen die Kinder deutlich früher das Weite

Junge Leute verlassen ihr Elternhaus in Deutschland früher als in den meisten anderen EU-Ländern. Überall gilt jedoch: Töchter kehren ihren Eltern früher den Rücken als Söhne, wie das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. “Das liegt vor allem daran, dass sie früher heiraten oder mit ihrem Partner zusammenleben.“

Etwa jeder fünfte Mann im Alter von 25 bis 34 Jahren lebt dem Institut zufolge gegenwärtig bei mindestens einem Elternteil. Von den gleichaltrigen Frauen ist es nur jede Zehnte.

Der Durchschnittswert für die 27 EU-Staaten liegt bei beiden Geschlechtern deutlich höher: Mehr als jeder dritte Mann wohnt noch mit Mutter, Vater oder beiden zusammen. Von den längst erwachsenen Töchtern dieser Altersgruppe ist es gut jede Fünfte.

Am längsten halten es junge Leute in Süd- und Osteuropa zu Hause aus: Im EU-Beitrittskandidat Kroatien beispielsweise leben 77,5 Prozent der 25- bis 34-jährigen Männer und mehr als jede zweite Frau dieser Altersgruppe noch im Haushalt ihrer Eltern.

Auch in Italien, Griechenland und Bulgarien wohnt über die Hälfte der jungen Männer im elterlichen Haushalt. Ganz anders ist das in den Niederlanden und Skandinavien: In Dänemark sind es nur zwei Prozent der Männer und weniger als ein Prozent der Frauen.

Finanzielle Gründe und unsichere Arbeitsverhältnisse sind eine wichtige Ursache, lange bei den Eltern zu bleiben, wie die Fachleute feststellen. Kulturelle Faktoren spielten aber auch eine Rolle: “In Süd- und Osteuropa ist es durchaus üblich, dass Kinder mit häuslicher Unterstützung bei den Eltern rechnen“, so Christian Fiedler vom BiB. “Dagegen suchen junge Erwachsene in Skandinavien sehr schnell die räumliche Eigenständigkeit.“ Im Süden zögen junge Erwachsene oft erst mit der Heirat aus. Im Norden gründeten sie dagegen bereits einen eigenen Haushalt, wenn sie mit einer Ausbildung beginnen, ins Berufsleben einsteigen oder mit ihrem Partner zusammenziehen wollten.

dpa

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