Dioxin-Skandal: Firma wegen versuchten Mordes angezeigt

Münster - Ein Arzt hat die Firma Harles und Jentzsch aus Uetersen wegen des Dioxin-Skandals angezeigt. Sein Vorwurf: schwere Körperverletzung und versuchter Mord aus Habgier.

Im Dioxin-Skandal gibt es nun auch eine Strafanzeige eines Verbrauchers. Ein Arzt aus Havixbeck bei Münster habe die Firma Harles und Jentzsch aus Uetersen (Schleswig-Holstein) angezeigt, sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer und bestätigte Angaben der “Westfälischen Nachrichten“ (Freitag).

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Die Vorwürfe des Allgemeinmediziners: schwere Körperverletzung und versuchter Mord aus Habgier. Vermutlich werde das Verfahren an die Staatsanwälte in Itzehoe oder Oldenburg abgegeben, die bereits im Komplex ermitteln. Dort geht es um Verstöße gegen das Lebens- und Futtermittelrecht.

Harles und Jentzsch hat möglicherweise Dioxin-belastete technische Fette als Futterfette an Tierfutterhersteller verkauft.

Verbraucher lassen Eier liegen

Viele Verbraucher lassen Eier angesichts des Dioxin-Skandals in den Regalen liegen. Ein Absatzrückgang sei “deutlich spürbar“, sagte Margit Beck von der Bonner Marktberichterstattungsstelle MEG am Freitag auf dpa-Anfrage. Die Preisnotierungen an den Lebensmittelbörsen seien “über den Jahreswechsel etwa doppelt so stark zurückgegangen wie im Vorjahr“.

Um acht Prozent ging beispielsweise ein von der MEG festgestellter Preis zurück, den Bauern für Eier aus Bodenhaltung verlangen können. Im Vorjahr sei derselbe Wert kurz nach dem Jahreswechsel um lediglich zwei Prozent gesunken. Ein schwacher Rückgang beim Eier-Absatz ist laut MEG zu Jahresbeginn üblich, weil sich viele Verbraucher gewöhnlich vor den Feiertagen mit Eiern eindecken.

Obwohl inzwischen knapp 5000 Betriebe in Deutschland wegen Dioxinverdachts gesperrt sind, sei “von einer Verknappung des Eier- Angebots nichts zu spüren“, betonte Beck. Auch dies sei ein Indiz für die Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Die Bonner MEG Marktinfo Eier & Geflügel ist ein Anbieter für Markt- und Preisberichterstattung. Unter anderem befragt sie Eiervermarkter zur Marktlage.

Bauern fordern Schadensersatz

Die Landwirte in Niedersachsen verlangen Schadensersatz von den Herstellern der dioxinverseuchten Futtermittel. Der Präsident des Landesbauernverbands, Werner Hilse, sagte am Freitag in Walsrode, die Haftung eines jeden einzelnen Anbieters werde geprüft. “Es wird in jedem Fall unterschiedlich sein, ob man Regress bekommen kann“, sagte der Bauernchef. Die derzeit 25 erfassten Lieferanten müssten aber möglicherweise in Vorleistung gehen, ehe der Produzent des belasteten Futterfetts aus Schleswig-Holstein belangt werden könne. Ein Landwirt erklärte, die Kollegen hätten wegen drohender Umsatzeinbußen “eine richtige Wut im Bauch“. Der Nordwesten ist vom Dioxin-Skandal besonders stark betroffen

Brüssel lobt Krisenmanagement 

Die EU-Kommission hat das Krisenmanagement im Dioxin-Skandal in Deutschland gelobt. “Das wurde einwandfrei gehandhabt“, sagte der Sprecher von EU-Verbraucherkommissar John Dalli am Freitag in Brüssel. Die Kommission wolle weiter mit der Industrie über Verbesserungen beraten. Es gehe beispielsweise um die Frage, ob die Herstellung von Fetten für die Industrie und für Futtermittel besser getrennt werden könne. “Wir können nicht versichern, das es dazu eine (neue) Gesetzgebung geben wird“, sagte der Sprecher. Er kündigte an, dass eine tiefgekühlte Ladung mit verarbeiteten Produkten - die möglicherweise belastete Eier aus Deutschland enthalten - bis Anfang kommender Woche in den Niederlanden analysiert werden soll.

dpa

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