Duisburgs OB zum Rücktritt aufgefordert

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Adolf Sauerland

Duisburg - Sechs Wochen nach der Loveparade mit 21 Toten endet in Duisburg die Trauerzeit. Das Parteiengezänk um den Oberbürgermeister geht derweil weiter.

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Kerzen und Plüschtiere, Engelfiguren und Briefe: Tausende von Andenken säumen die Gehsteige im Unglückstunnel der Duisburger Loveparade. Am Samstag sind die Bürger aufgerufen, diese Trauergaben in einen eigens gebauten Kubus zu legen. Er soll auf einer Grünfläche vor einem Tunneleingang aufgestellt werden und im kommenden Jahr einer Gedenkstele weichen. “Gemeinsam wollen wir an diesem Tag ein wichtiges Zeichen unserer Trauer, des Gedenkens und der Versöhnung setzen“, sagte die Sprecherin des “Bürgerkreises Gedenken“ am Wochenanfang. Am Sonntag sollen dann wieder Autos über die Karl-Lehr-Straße rollen.

Bei der Loveparade starben 19 Menschen am Samstag vor sechs Wochen im panischen Gedränge an der Rampe zum Veranstaltungsgelände. Zwei weitere erlagen später im Krankenhaus ihren Verletzungen. Unter den Toten waren junge Leute aus den Niederlanden, Australien, Italien, China, Spanien und Bosnien. Mehr als 500 Menschen wurden verletzt. Viele leiden noch immer unter den Folgen - körperlich und seelisch. Wie genau es zu dem Unglück kam, ist unklar. Die Staatsanwaltschaft ermittelt mit mehr als 80 Beamten. Über die Frage nach der Verantwortung streiten Stadt, Veranstalter Lopavent und die Polizei weiter. Besonders in der Kritik steht seit Wochen Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU).

Die Duisburger Ratsfraktionen von SPD, FDP und Linke wollen Sauerland bei einer Sondersitzung am Montag zum sofortigen Rücktritt auffordern. Vertreter von FDP und Linke erklärten am Freitag, dass die Fraktionen den entsprechenden Antrag der SPD unterstützen werden. Die Vorsitzende der CDU-Fraktion, Petra Vogt, rechnet nach eigenen Angaben nicht damit, dass der Oberbürgermeister dem Antrag Folge leisten wird. Wie sich die Grünen verhalten werden, ist noch offen. Am Montag wird auch über einen Abwahlantrag der drei Fraktionen nach der Gemeindeordnung debattiert. Eine Abstimmung darüber ist für den 13. September geplant. Spricht sich dann eine Zweidrittel- Mehrheit der Ratsmitglieder für eine Abwahl aus, müssen die Bürger entscheiden. Ein Erreichen dieser Mehrheit gilt wegen der Sitzverteilung im Rat allerdings als unwahrscheinlich.

Massenpanik auf der Loveparade

Bilder: Massenpanik auf der Loveparade

NRW-Sozialminister Guntram Schneider (SPD) ermunterte die Opfer des Loveparade-Unglücks dazu, den Soforthilfefonds der Landesregierung in Anspruch zu nehmen. “Wir gehen davon aus, dass noch mehr Opfer in Kliniken behandelt wurden, als bisher bekannt“, sagte der Minister in Düsseldorf laut einer Mitteilung. Sie könnten bei der Unfallkasse NRW einen formlosen Antrag stellen. Bisher hätten 14 Familien jeweils 20 000 Euro erhalten. Die Landesregierung hatte eine Million Euro für die Betroffenen bereitgestellt. Unterdessen kritisierte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) die Darstellungen der Stadt Duisburg und des Loveparade-Veranstalters am Donnerstag im Innenausschuss des NRW-Landtags scharf. Die Vertreter des Veranstalters Lopavent und Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) hätten erneut jede Mitverantwortung für die Tragödie von sich gewiesen, bemängelte der nordrhein-westfälische GdP- Vorsitzende Frank Richter in einer Mitteilung.

dpa

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