Faultier Mats ist nicht mal mit Essen zu locken

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Faultier Mats lässt die Seele baumeln: Es gilt als Deutschlands faulstes Faultier.

Jena - Faultier Mats ließ sich nicht einmal mit Nudeln oder gekochten Eiern locken. Weil es zu faul war und sich nicht vor der Kamera bewegen wollte, gaben ihn die Jenaer Zoologen ab. Seine Nachfolger waren kooperativer.

Als faulstes Faultier der Welt machte Mats vor gut vier Jahren Schlagzeilen, ließ er sich doch so gar nicht zu den Tests der Jenaer Zoologen animieren. Mit seinen Nachfolgern Julius, Evita und Lisa hatten die Forscher nun mehr Glück. Mit ihrer Hilfe sei es gelungen, die Fortbewegung der Faultiere zu analysieren, sagte der Wissenschaftler John Nyakatura von der Universität Jena am Dienstag. Er suchte nach Antworten auf die Frage, warum Faultiere so faul sind. Dabei habe er herausgefunden, dass sich ihre Fortbewegung gar nicht so sehr von der anderer Säugetiere wie Affen unterscheide. Für seine Doktorarbeit hatte er die Bewegung dieser Tiere mit einer Röntgenvideoanlage gefilmt und anschließend analysiert.

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Doch mit Mats war dabei kein Blumentopf zu gewinnen. Er hatte keine einzige Filmsequenz möglich gemacht, so träge war er. Doch war er offensichtlich nur ein Forschungsmuffel. Im Duisburger Zoo hat ihn seine Partnerin Friederike später auf Trab gebracht, wie Kurator Volker Grün der Nachrichtenagentur dpa berichtete. “Für Faultiere sind sie sehr aktiv, vor allem in den Morgenstunden.“ Ende 2008 war den beiden sogar Elternglück beschieden. “Wir warten auf weiteren Nachwuchs, aber das ist schwer festzustellen“, sagte Grün. Mit einem Alter von 20 hat Mats durchaus noch einige Jahre vor sich. Zweifingerfaultiere können bis zu 35 Jahre alt werden.

Faultiere stammen aus Mittel- und Südamerika und hangeln sich kopfüber mit ihren langen Armen samt Sichelkrallen an den Ästen entlang. Dass sie nur in Zeitlupentempo vorwärtskommen und auch noch bis zu 15 Stunden am Tag schlafen, brachte ihnen ihren Namen ein. “Ihre Beinstellung und die Beugung der Gelenke entspricht dabei exakt denen anderer Säugetiere beim Laufen“, erläuterte Forscher Nyakatura. Ihre Fortbewegung könne daher praktisch als “Laufen unter dem Ast“ beschrieben werden - nur viel langsamer als bei anderen Vierbeinern.

Es gebe nur wenige Tiere, die sich so fortbewegen könnten wie die Faultiere, und keines habe sich darauf so spezialisiert wie sie. “Faultiere können gar nicht aufrecht auf dem Boden laufen“, betonte Nyakatura. Daran angepasst hätten sie sich im Laufe der Evolution ausschließlich über Veränderungen ihrer Anatomie. Erstaunlich sei, dass sich dies gleich zweimal unabhängig voneinander entwickelt habe: bei den Zweifinger- und den Dreifingerfaultieren. Beide Familien hätten sich vor rund 25 Millionen Jahren voneinander abgespaltet und seien evolutionär nur weitläufig verwandt.

“Faultiere führen ein Leben im Energiesparmodus“, erklärte Martin Fischer, Inhaber des Jenaer Lehrstuhls für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie. Damit hätten sie eine ökologische Nische besetzt, bei der sie energiearmes Futter mit einer bewegungsarmen Lebensweise verknüpften. Denn in der Natur eilen sie nicht wie andere Tiere von einer Nahrungsquelle zur anderen, sondern begnügen sich mit Blättern und Blüten, die ihnen quasi ins Maul wachsen. Dieses Erfolgsrezept habe eigentlich mit Faulheit so gar nichts zu tun, erklärte Fischer.

Und wie haben die Forscher Julius, Evita und Lisa für ihre Tests auf Trab gebracht? “Das hat fast ohne Training sehr gut geklappt“, erzählte Nyakatura. Mit Nudeln, gekochten Kartoffeln, Paprika oder Gurke seien sie daran gewöhnt worden, aus der Hand zu fressen. Dann wurden sie auf eine motorgetriebene Querstange zwischen zwei Käfigen gelockt. Wie auf einem Laufband mussten sie sich dann entlanghangeln und wurden dabei von der Kamera gefilmt. Nach getaner Arbeit sind sie inzwischen wieder in den Dortmunder Zoo zurückgekehrt und können ihr Leben jenseits der Forschung genießen.

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