Japans Regierungschef reist in Krisenregion

+
Der japanische Regierungschef Naoto Kan will zum ersten Mal nach dem verheerenden Erdbeben und dem Atomunfall vor drei Wochen die Krisenregion besuchen.

Tokio - Die Lage an der japanischen Atomruine ist weiter äußerst gefährlich. Regierungschef Naoto Kan will nun erstmals seit dem Erdbeben die Krisenregion besuchen.

Der japanische Regierungschef Naoto Kan will zum ersten Mal nach dem verheerenden Erdbeben und dem Atomunfall vor drei Wochen die Krisenregion besuchen. Er werde am Samstag in die erdbebenzerstörte Stadt Rikuzentakata und in die Präfektur Fukushima reisen, in der auch das havarierte Atomkraftwerk steht, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo am Freitag. An der Atomruine droht seit dem Erdbeben und Tsunami am 11. März ein Super-GAU. Mittlerweile wurde auch im Grundwasser eine extrem hohe radioaktive Belastung entdeckt.

Ungeachtet dessen versuchte ein Mann am Donnerstag, in das AKW Fukushima Eins einzudringen. Weil er dort aber nach Angaben des AKW-Betreibers Tepco von Mitarbeitern abgehalten wurde, fuhr er zur Anlage Fukushima Zwei und durchbrach dort mit seinem Auto ein Tor zum Gelände. Niemand wurde verletzt, der 25-jährige Arbeitslose wurde festgenommen. Als Grund für die Irrfahrt gab er laut Polizei an: “Ich wollte mal auffallen.“ Die Atomaufsichtsbehörde forderte den Betreiber mit Blick auf die Lagerung radioaktiver Materialien auf, für eine bessere Bewachung der Anlage zu sorgen. Fukushima Zwei liegt etwa zwölf Kilometer vom AKW Fukushima Eins entfernt und gilt im Gegensatz zu diesem als stabil.

Fukushima: Luftaufnahmen der AKW-Katastrophe

Fukushima: Luftaufnahmen der AKW-Katastrophe

In der Anlage Eins tritt immer mehr Radioaktivität aus den beschädigten Meilern aus. Im Wasser unter dem Atomwrack wurde ein 10 000-fach erhöhter Wert von radioaktivem Jod gemessen, berichtete Kyodo. Auch die Strahlenbelastung im Meer vor Fukushima stieg auf neue Höchstwerte. In Rindfleisch aus der Präfektur wurde inzwischen auch eine erhöhte Strahlung gemessen. Die japanische Regierung lehnt es bisher ab, die Evakuierungszone zu erweitern. Diese gilt im Umkreis von 20 Kilometern um das AKW. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA hatte Japan aber zur Evakuierung eines Ortes geraten, der etwa 40 Kilometer von dem AKW entfernt liegt.

Am Samstag wird Außenminister Guido Westerwelle (FDP) Japan besuchen. Mit dem Abstecher nach Tokio wolle er Deutschlands Solidarität mit dem schwer getroffenen japanischen Volk zum Ausdruck bringen. Nach dem Erdbeben und Tsunami wurden bisher offiziell 11 400 Tote gezählt. Es werden aber noch tausende Menschen vermisst, weshalb die Behörden von weit mehr Toten ausgehen. Viele Überlebende der Beben- und Tsunami-Katastrophe harren noch in Notlagern aus.

Kommentare