Kaum Freiwillige für Freiwilligendienst

Berlin - Die Wohlfahrtsverbände in Deutschland befürchten einen erheblichen Bewerbermangel beim Bundesfreiwilligendienst.

Das Magazin “Focus“ hatte berichtet, dass es ein geringes Interesse gebe und unter Berufung auf das Kölner Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben die Zahl von bislang weniger als 2.000 Interessenten angegeben.

Laut einer dpa-Umfrage sieht es bei anderen großen Verbänden ähnlich aus. Von bundesweit 35 000 angestrebten Stellen sind bislang nur etwas mehr als 1000 besetzt. Nach Angaben des Bundesfamilienministeriums melden sich im Schnitt 250 Freiwillige pro Woche.

Der Landesgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), Leonhard Stärk, sagte dem Magazin, die Auswirkungen seien “eine Riesenkatastrophe“ für den Sozialbereich. Der Bundesfreiwilligendienst sei “überhastet und dilettantisch“ eingeführt worden. “Da wird sich in jedem Fall eine Lücke auftun“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, der Deutschen Presse-Agentur.

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Zwar sei kein Qualitätsverlust in der Pflege oder der Senioren-Betreuung absehbar, sagte die Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes, Svenja Koch. Allerdings fielen zeitintensive “humanitäre Extras“ wie Spaziergänge oder Gespräche weg.

Die Verbände wollen nun mehr Anreize für den neuen 6- bis 24-monatigen Dienst setzen, der zum 1. Juli den Wegfall des zuletzt noch sechsmonatigen Zivildienstes zumindest teilweise ausgleichen soll. Schuld an dem Freiwilligen-Mangel ist den Verbänden zufolge die übereilte Abschaffung der Wehrpflicht.

Ministerium weist Kritik zurück

Das Bundesfamilienministerium hat Berichte über geringe Bewerberzahlen beim neuen Bundesfreiwilligendienst zurückgewiesen. Das Interesse sei “schon jetzt enorm“, obwohl der richtige Schub erfahrungsgemäß erst nach den Sommerferien komme, wenn die Studienplätze vergeben wurden, sagte Staatssekretär Josef Hecken am Sonntag in Berlin.

Mehr als 14 000 Zivildienstleistende hätten ihren Dienst über den 1. Juli hinaus freiwillig verlängert. Es sei “falsch“, dass durch das Ende des Zivildienstes der Pflegenotstand ausbreche.

dpa/dapd

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