Kinderschänder: "Ich habe nichts Brutales gemacht"

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Der ehemalige Küster hat jahrelang Kinder missbraucht und sieht sich dennoch als Opfer.

Oldenburg - Ein ehemaliger Küster einer Kirchengemeinde in Wilhelmshaven hat vor dem Landgericht Oldenburg zahlreiche sexuelle Handlungen an Jungen zugegeben.

“Ich habe das immer so verstanden, dass sie alle einverstanden waren“, sagte der 55-Jährige am ersten Prozesstag am Donnerstag. Sich selbst sieht er in der Opferrolle: “Viele haben wohl Zärtlichkeit gesucht, und die haben sie bekommen. Ich habe ja nichts Brutales gemacht.“ Es seien viele Jungen zu ihm in die Wohnung gekommen. “Ich habe nie gesagt, zieh dich aus.“

Viele der Jungen, die bei dem Küster ein und aus gingen, waren Scheidungskinder. Die Opfer seien beim Jugendamt bekannt und kämen aus Problemfamilien, sagte ein Ermittler als Zeuge. Bei der Befragung der Opfer sei ihm aufgefallen, dass für viele Jungen die Belohnung im Vordergrund stand wie eine Bezahlung oder das Mitnehmen in Freizeitparks. Einigen seiner Opfer hat der Angeklagte Geld gegeben. “Die was verlangt haben, haben es auch gekriegt“, sagte er. Erst waren es zehn Mark, später zehn Euro.

Angeklagt sind 13 Fälle aus den Jahren 1998 bis 1999 sowie 2009 und 2010 mit zwei damals 12- und 13-jährigen Jungen. Die sexuellen Handlungen an den Kindern und Jugendlichen wurden vom Angeklagten akribisch aufgeschrieben - mit Datum und allen Details. In der Wohnung des Küsters hatten die Ermittler Hunderte von Videos und DVDs, Fotos und selbstangelegte Ordner sichergestellt. “Es ist alles akribisch archiviert worden“, sagte der Ermittler.

dpa

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