Sex-Täter ermordete fünf junge Frauen

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Das Polizeifoto zeigt eines der Opfer des Serien-Sex-Mörders, die 1984 ermordete Gabriele S. aus Henstedt-Ulzburg.

Kiel - Beim mutmaßlichen Fünffachmörder aus dem Kreis Segeberg geht die Staatsanwaltschaft in allen Fällen von sexuellen Motiven aus.

Die erste Tat liegt mehr als 40 Jahre zurück. Seine weiblichen Opfer - alle zwischen 16 und 22 Jahre alt - hat der Mann nach eigenen Angaben spontan ausgewählt, sagte Oberstaatsanwältin Birgit Heß am Freitag in Kiel. Er hat ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Laut Polizei ging er immer nach dem gleichen Muster vor. Zunächst habe er seine Opfer aus dem Auto heraus beobachtet und anschließend “überfallartig bei günstiger Gelegenheit angegriffen. Auf die sexuellen Handlungen des Mannes wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht eingehen. Laut Polizei gibt es derzeit keine Zweifel an den Angaben des mutmaßlichen Täters. Die Ermittlungen dauerten aber noch an, sagte Heß. Der 64-Jährige bestreitet, noch weitere Taten begangen zu haben.

Der Mann war Anfang April festgenommen worden und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Gestanden hat der Mann, zunächst im Juni 1969 die 22-jährige Jutta M. in der Nähe ihres Elternhauses in Norderstedt auf der Straße getötet zu haben. “Nachbarn wollen noch Schreie gehört haben“, sagte Heß. Im Oktober 1969 fing er die 16-jährige Renate B. ebenfalls in Norderstedt auf dem Heimweg vom Tanzlokal ab und tötete sie. Im Juli 1970 tötete er in Hamburg-Langenhorn die 22-jährige Angela B.. 1973 tötete er wieder in Norderstedt die 15-jährige Ilse.

Er hatte zuvor bereits gestanden, die 18 Jahre alte Schwesternschülerin Gabriele S. im Februar 1984 vergewaltigt und erdrosselt zu haben. Schüler hatten die Leiche des Mädchens neun Tage nach ihrem Verschwinden in einer Fichtenschonung nahe Weddelbrook bei Bad Bramstedt entdeckt.

Zwar gingen die Ermittler bereits damals von einem Sexualmord aus. Bei der Aufklärung der Tat halfen aber erst 27 Jahre später verfeinerte DNA-Untersuchungsmethoden. Experten stellten damit tatrelevante Spuren fest. Daraufhin suchten die Mitarbeiter der Mordkommission mehr als 150 Personen auf, die bereits damals bei den Ermittlungen in den Fokus geraten waren. Eine Speichelprobe lieferte schließlich den entscheidenden Hinweis.

“Der Mann hat ein Doppelleben geführt“, sagte der Leiter der Mordkommission, Stefan Winkler. Er werde keinesfalls als Bestie beschrieben. “Er hat gesagt, dass er reinen Tisch machen will.“ Die Ermittler prüften nun, ob er auch für den Tod dreier weiterer Frauen aus dem Raum verantwortlich sei. “Die passen genau in das Raster“, sagte Winkler.

Hans-Jürgen S. wurde bereits 1993 nach Anzeige einer Prostituierten in Hamburg wegen gefährlicher Körperverletzung und Vergewaltigung zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Laut einer von seinen Anwälten verbreiteten Mitteilung empfinde er die Zeit von 1969 bis 1984 als “unfassbare Phase seines Lebens“. Er habe sich seitdem immer weiter von seinen Taten distanziert und sei ein anderer Mensch geworden.

dapd

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