Protokoll des Fluges

9/11: Das geschah an Bord der Air Force One

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Washington - Viele erinnern sich noch, wie sie den 11. September 2001 verbracht haben. Nun berichtet der Stab des Präsidenten von den Stunden des Unglücks und dem Ausharren in der Air Force One.

Vergessen wird den Tag der Anschläge wohl niemand. Schon gar nicht der damalige Präsident George W. Bush und sein Stab: Am 11. September 2001 hatte er einen Termin in einer Schule in Florida. Als allmählich klar wurde, dass es sich bei den beiden Flugzeugen, die in die Türme des World Trade Centers flogen, um einen terroristischen Anschlag handelte, brachte der Secret Service seinen Präsidenten an den sichersten Ort, der ihnen einfiel: acht Meilen über den Boden in der Air Force One, begleitet von drei F 16-Kampfjets. Stunden lang kreiste die Boeing 747 mit insgesamt 65 Passagieren an Bord über die östlichen Bundesstaaten.

Die US-amerikanische Tageszeitung "Politico" ging nun in einem ausführlichen Protokoll der Frage nach, was in diesen Stunden an Bord des Flugzeugs geschah. Dazu hat sie die Passagiere, zu der neben dem Präsidenten auch die Crew sowie Journalisten gehörten, befragt und die Geschehnisse detailreich zusammengefügt.

"Ein Mann auf einer Mission"

"Er war ein Mann auf einer Mission", beschreiben die Zeugen den Präsidenten, der sein Okay für den Abschuss weiterer gekidnappter Flugzeug geben musste. "Ok, Jungs, das ist es, wofür wir bezahlt werden", soll Bush zu seinen Mitarbeitern gesagt haben. Schwierig sei vor allem die ungewisse Informationslage gewesen: "Wir wussten nicht, welche der Informationen die wir bekommen haben, stimmten oder nicht. Nur das World Trade Center haben wir mit eigenen Augen gesehen". 

Zeitweise brach die Kommunikation zusammen, nur wenn die Air Force One über größere Städte flog, habe man Empfang gehabt. Nicht einmal zur First Family konnte Kontakt hergestellt werden. Schließlich griff man auf einen Militärsatelliten zu.

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Unter Hochdruck wurde an einem Plan gearbeitet. "Ich wusste oft nicht, ob zehn Sekunden oder zwei Minuten vergangen waren", berichtet Bushs Berater Karl Rove. Stundenlang debattierte man: Können wir nach Washington fliegen? Schlussendlich setzte sich der Secret Service gegen den Präsidenten durch: "Unsere Aufgabe ist es, den Präsidenten zu beschützen, nicht seinen Wünschen zu folgen." Die Air Force One machte eine Zwischenlandung auf der Militärbasis Barksdale, um zu tanken. Ein Großteil des Personals und des Pressestabs wurde dort abgesetzt, dann ging es wieder in die Luft.

Extreme Vorsichtsmaßnahmen

Stets war man darauf bedacht, die Spuren zu verwischen. So wurde Eric Daper, der Fotograf des Präsidenten, angewiesen, die Batterien aus seinem Handy zu nehmen, damit es nicht geortet werden konnte. Der Luftwaffenstützpunkt in Offutt im US-Bundesstaat Nebraska, das nächste Ziel der Air Force One, wurde erst fünfzehn Minuten vor der Landung über das Eintreffen des hochkarätigen Fliegers informiert. 

Erst dort bestätigte sich der Verdacht, denn schon einige im Stab hatten: Das Terror-Netzwerk al-Qaida steckte hinter den Anschlägen. Zwölf Stunden nach dem Anschlag traf Bush schließlich im Weißen Haus ein. Hinter ihm lag wohl der längste Flug seines Lebens.

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