Wikileaks: Assange wegen Formfehler noch frei

+
Wikileaks-Gründer Julian Assange ist aufgrund eines Formfehlers noch auf freiem Fuß.

Washington - Wikileaks-Gründer Julian Assange ist aufgrund eines Formfehlers noch auf freiem Fuß. Der Haftbefehl bleibt dennoch bestehen. Amazon hat Wikileaks von seinen Servern verbannt.

Lesen Sie dazu auch:

Wikileaks: Die FDP sucht ihren Maulwurf

Die Welt rätselt über Julian Assange

Laut einem Bericht der Londoner Zeitung “The Independent“ hält sich Wikileaks-Gründer Julian Assange in Großbritannien auf. Der genaue Ort sei den britischen Polizeibehörden bekannt. Gegen Assange ermittelt die schwedische Justiz unter dem Vorwurf der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung von zwei Frauen. Assange steht auf einer Fahndungsliste von Interpol - die schwedischen Behörden wollen so erreichen, dass Assange festgenommen wird, damit sie ihn persönlich zu den Vorwürfen vernehmen können. Einem Zeitungsbericht zufolge ist dies bisher aufgrund eines Formfehlers noch nicht geschehen. Die schwedischen Behörden hätten bei der Übermittlung an Interpol etwas falsch ausgefüllt, schrieb die britische Zeitung “The Times“ am Donnerstag. Der Haftbefehl bleibt trotzdem bestehen. Assange scheiterte am Donnerstag mit seiner Klage gegen den schwedischen Haftbefehl beim Obersten Gerichtshof des Landes. Zuvor hat er die Ermittlungen als Intrige der Wikileaks-Gegner zurückgewiesen.

Er habe bei seiner Ankunft Scotland Yard seine Kontaktdaten mitgeteilt. Wegen der formalen Fehler, habe die britische Polizei die Ausweisung aber nicht in die Wege leiten können. Sein Rechtsanwalt teilte mit: Sowohl die Polizei als auch die britischen und schwedischen Behörden wüssten, wo sein Mandant derzeit sei, zitierte die “Times“ den Londoner Rechtsanwalt Mark Stephens.

Derweil fürchten Assanges Familie und Freunde um sein Leben. Seine Mutter, die in Australien lebt, sagte der “Times“, sie habe Angst um ihren Sohn. Wikileaks-Sprecher Kristinn Hrafnsson berichtete, es habe bereits Morddrohungen gegen Assange gegeben.

Wikileaks-Fans hetzen User gegen Amazon auf

Die Wikileaks-Gegner in den USA gehen mit technischen Mitteln gegen die Enthüllungsplattform vor: Der Internet-Konzern Amazon verbannte Wikileaks von seinen Servern. Das Projekt hatte die umstrittenen Dokumente in den Rechenzentren des Konzern abgelegt, um einen möglichst schnellen und stabilen Zugriff auf die Daten zu ermöglichen. Die geheimen Dokumente aus den US-Botschaften in aller Welt, die Wikileaks seit Sonntag veröffentlicht, sind aber auf anderen Wegen im Internet weiter zugänglich.

“Wikileaks von Amazon-Servern verdrängt. Freie Rede im Land der Freien“, teilten die Enthüllungs-Aktivisten am Mittwochabend über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. “Prima - unsere Dollars werden nun ausgegeben, um Leute in Europa zu beschäftigen.“ Wenn Amazon solche Problem mit der Redefreiheit habe, “sollten sie aufhören, Bücher zu verkaufen“. Wikileaks nutzt nun europäische Internet-Anbieter. Außerdem sind die Daten auch über den Download-Dienst BitTorrent verfügbar.

Bereits zu Beginn der Woche hatte Wikileaks mehrfach Hacker- Angriffe gemeldet. Bei solchen DDOS-Attacken (Distributed Denial of Service) werden Unmengen von Daten zu einem Server geschickt, um diesen lahmzulegen. Laut Wikileaks wurde der Server mit Datenmassen im Umfang von zehn Gigabit pro Sekunde überflutet.

Wikileaks: So denken die Amis WIRKLICH über Merkel & Co.

Wikileaks: So denken die Amis WIRKLICH über Merkel & Co.

Der mit dem Online-Handel vor allem von Büchern groß gewordene Konzern bietet auch Dienstleistungen für das sogenannte Cloud Computing an. Bei diesem Modell können Unternehmen ihre IT-Prozesse wie die Speicherung von Daten in verteilten Rechenzentren auslagern.

Amazon stoppte die Nutzung seiner Server durch Wikileaks nach amerikanischen Medienberichten nach einer Intervention von US-Senator Joe Lieberman. Der parteilose Vorsitzende des Senatsausschusses für Heimatschutz habe Amazon mit einem Boykott gedroht, berichtete der britische “Guardian“. “Ich hätte mir gewünscht, dass Amazon diese Maßnahme früher ergreift angesichts der vorherigen Veröffentlichungen klassifizierter Informationen durch Wikileaks“, sagte der Senator.

Amazon: Boykott zur Weihnachtszeit

Nach dem Vorgehen von Amazon wurden im Internet Aufrufe zum Boykott des Online-Händlers laut. Sowohl in den USA als auch in Europa kündigten Internet-Nutzer öffentlich an, nicht mehr bei Amazon einzukaufen. Die Aufrufe fallen in die für Amazon besonders wichtige Zeit des Weihnachtsgeschäfts.

US-Regierung fordert umfassende Überprüfung der Datensicherheit

Bei Wikileaks sind bislang mehr als 600 der insgesamt über 250 000 Dokumente aus US-Botschaften veröffentlicht. Zudem haben mehrere Medien wie das Magazin “Der Spiegel“ das Material vorab zur Sichtung erhalten. Die US-Regierung ordnete deswegen eine umfassende Überprüfung der Sicherheit ihrer internen Datenbanken an. Als Sonderbeauftragter dafür wurde der stellvertrende Direktor des Zentrums für Anti-Terror-Maßnahmen, Russell Travers, ernannt, wie das Weiße Haus mitteilte.

dpa

Kommentare