Bundeswehrhund Cloé aus Kundus wacht jetzt in Dresden

+
"Überläuferin": Bundeswehrhund Cloé aus Kundus wacht jetzt in Dresden.

Dresden - Am Hindukusch verteidigt die Bundeswehr manchmal auch den Tierschutz. Hündin Cloé aus Kundus gehörte als afghanische “Überläuferin“ einst zur Truppe. Inzwischen bewacht das Maskottchen a.D. ein Grundstück in Dresden.

Eines hat Hündin Cloé aus dem afghanischen Kundus nicht verlernt - das Misstrauen. “Sie lässt Fremde nicht ins Haus“, sagt Wolfgang Petzold und beendet damit alle Hoffnungen auf einen Besuch in Cloés Domizil im Dresdner Viertel Klotzsche. Selbst als Taliban verkleidet hätte man wohl keine Chance. Denn Einheimische mochte Cloé gar nicht leiden. “Vermutlich ist sie als Jungtier gequält worden, bevor sie ins Soldaten-Camp kam“, sagt Petzold. 2004 war der frühere Hauptfeldwebel das erste Mal für die Bundeswehr in Afghanistan. Im Lager Kundus fand er Cloé und wurde als “Herrchen“ zum unmittelbaren Vorgesetzten des Mischlings, der wohl die Rassen Schäferhund, Collie und Husky vereint.

Schnell erlangte Cloé den Dienstgrad “Maskottchen“. “Das Tier ist innerhalb der Einsatzliegenschaft bei den Soldatinnen und Soldaten beliebt, ist entwurmt und mit einem sogenannten Flohhalsband ausgerüstet. Das Tier hat den Status eines Maskottchens“, heißt es in einer Einsatzmeldung vom 5. Februar 2004. Sie hat Cloé vermutlich das Leben gerettet. Denn Tiere dürfen in Lagern der Bundeswehr eigentlich gar nicht gehalten werden. Cloé kam als Erbe der Amerikaner zu den Deutschen. “Als wir in das Lager kamen, lag sie vor dem Stabsgebäude“, erinnert sich Petzold. Der engagierte Tierschützer nahm den Vierbeiner unter seine Fittiche.

Afghanistan-Überläuferin: Bundeswehrhund Cloé

Afghanistan-Überläuferin: Bundeswehrhund Cloé

Petzold hält die “Feldlagerordnung“ in punkto Tiere für veraltet. Katzen und Hunde könnten nicht nur ein Mittel gegen das vielerorts vorhandene Ungeziefer wie Schlangen, Ratten oder Mäuse sein. “Es gibt auch eine psychologische Seite. Abends kamen immer ein paar Soldaten zu mir, um Cloé im Lager auszuführen.“ Tiere könnten auch helfen, einem Lagerkoller vorzubeugen. “80 Prozent der Soldaten sind bestimmt tierlieb. Die sind lange von zu Hause weg, das wäre ein Stück Heimat für sie.“ Der 66-Jährige geht nicht davon aus, dass Haustiere eigens mitgebracht werden müssen. Vielmehr sollte die Aufnahme zugelaufener Tiere erlaubt sein.

Im Fall von Cloé hat das trotz gegenteiliger Vorschrift geklappt. “Irgendwie haben alle darüber hinweggesehen“, erzählt Petzold. Einmal war es brenzlig. Als ein US-Regierungsmitglied das Lager in Kundus besuchte, biss Cloé dem Politiker in die Hand. Der Amerikaner erwies sich als Tierfreund mit Herz - Cloé wurde umgehend begnadigt. Dann sorgte der Hauptfeldwebel dafür, dass sie mit nach Deutschland durfte. Vom geordneten Rückzug zeugt ein offizielles Dokument. Per Nato-Marschbefehl ging es für den Sachsen samt “Diensthund“ in die Heimat. Cloé reiste als Sprengstoffhund getarnt.

Das ist Afghanistan

Das ist Afghanistan

Da Petzold weitere Auslandseinsätze absolvierte, gab er die Hündin zu einer Familie in den Schwarzwald. Später kümmerte sich dort eine ältere Dame um das Tier. Immer wenn Petzold im Lande war, fuhr er mit seiner Frau ein paar Tage hin. Cloés Leben blieb auch nach dem Tod der neuen Besitzerin aufregend. Die Dame hatte dem Tier Geld vererbt. Da aber weder Hund noch Katz in Deutschland erbberechtigt sind, kam Cloé ins Heim, das mit dem Erbe haushalten konnte. Doch die Petzolds wollten ihren Schützling lieber in Dresden und verzichteten auf jede Mitgift. Als der Hauptfeldwebel 2009 als Rentner seinen Dienst quittierte, holte er Cloé - inzwischen fünffache Mutter - zurück.

Einen Appell richtet der Pensionär an seinen früheren Dienstherrn. Die Bundeswehr sollte sich ganz legal um tierische Kameraden kümmern dürfen, sagt Petzold: “Am besten ordnet man sie der Stabskompanie zu.“

Von Jörg Schurig

Kommentare