Die Guttenberg-Show in Kloster Banz

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Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (l) klopft Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (beide CSU) am Donnerstag (23.09.2010) nach der Herbstklausur der CSU auf Kloster Banz (Oberfranken) auf die Schulter, während dieser Interviews gibt.

Kloster Banz - Ein Kloster ist der rechte Ort für Heilsbringer - und zum Heilsbringer machen Teile der CSU gerade Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.

Bei der Herbstklausur der CSU-Landtagsfraktion im oberfränkischen Kloster Banz überstrahlt Guttenberg den Auftritt des Parteivorsitzenden Horst Seehofer. Fernsehteams, Fotografen und sonstige Medienvertreter ignorieren zunächst die Pressekonferenz mit Seehofer und Landtagsfraktionschef Georg Schmid und warten stattdessen lieber auf Guttenberg am Eingang - obwohl der Baron eigentlich nur eine Gastrolle spielt. “Ich begrüße den Größten aller Zeiten“, sagt Seehofer zu Guttenberg, als sie sich schließlich wie eine christsoziale Dreifaltigkeit auf der Treppe versammelt haben.

Seehofer und Guttenberg werden geradezu in eine Rivalität gedrängt - von den Medien, aber auch von manchen CSU-Politikern, die in Guttenberg den kommenden Erlöser sehen, der die Partei wieder aus dem Jammertal unter vierzig Prozent führen könnte. “Wir müssen uns die Hand geben, sonst glauben die wieder, da ist was zwischen uns“, sagt Seehofer zu Guttenberg unter dem Klicken der Kameras. Befeuert wurden die Berichte über einen Machtkampf zwischen dem Vorsitzenden und dem Hoffnungsträger durch die Debatte um die Aussetzung der Wehrpflicht, bei der Seehofer nach anfänglichem Widerstand auf Guttenbergs Linie einschwenkte. Mancher CSU-ler glaubt bereits, ein künftiger Parteivorsitzender Guttenberg sei - auf längere Sicht gesehen - “unvermeidlich“. Guttenberg trägt in Banz der CSU-Landtagsfraktion seine Reformpläne vor, und es ist wie immer: “Er war sehr überzeugend“, schwärmt mehr als ein CSU-Abgeordneter anschließend.

Dabei haben nach Einschätzung von Parteifreunden weder Seehofer noch Guttenberg Interesse an einem Machtkampf, der beide stark beschädigen würde. Seehofer hat große Pläne: Er will Änderungen bei mehreren zentralen Reformvorhaben der Bundesregierung durchsetzen. Die CSU protestiert gegen eine starke Erhöhung der Hartz-IV Regelsätze, will mehr Geld für Bayerns Ärzte, außerdem einen nennenswerten Anteil der “Öko-Dividende“, die die Atomkonzerne für die Verlängerung der Atomlaufzeiten zahlen sollen und fordert Ausgleich für die erwarteten Schließungen von Bundeswehr-Standorten. Gleichzeitig will der bayerische Ministerpräsident aber angesichts der katastrophalen Umfragewerte für die schwarz-gelbe Koalition den Frieden wahren. “Jetzt wird regiert“, sagt er.

Öffentlichen Streit soll es nicht mehr geben. Am Donnerstagvormittag telefoniert er zunächst mit Kanzlerin Angela Merkel, bevor das CSU-Präsidium seine Forderungen vorbringt. Doch haben noch nicht alle CSU-Politiker die neue Marschroute verinnerlicht: Seehofers Amtsvorgänger Günther Beckstein hatte die Kanzlerin für die schlechte Stimmung mitverantwortlich gemacht. Merkel habe mit ihrem Modernisierungskurs vielleicht “manche aus dem konservativen Bereich nicht so mitgenommen“. Für die Union seien früher Wahlergebnisse von 40 Prozent schlechte Ergebnisse gewesen, sagte Beckstein. “Im CDU-Bereich wird jetzt über 33 bis 35 Prozent geredet. Das ist nicht akzeptabel.“

dpa

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