Kairo: Soldaten stürmen Tahrir-Platz

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Zwischen der Opposition und dem Militär kam es zu mehreren blutigen Zusammenstößen

Kairo - Hunderte ägyptische Soldaten haben am Samstag den Tahrir-Platz im Zentrum Kairos gestürmt. Schon davor war es zu mehreren blutigen Zusammenstößen gekommen.

Blutige Zusammenstöße in Ägypten: Neun Tote

Sie steckten die Zelte des Protestlagers in Brand und schlugen mit Stöcken auf Demonstranten ein. Die Protestierenden schleuderten ihrerseits Steine auf Sicherheitskräfte, die Straßen um das Parlamentsgebäude in der ägyptischen Hauptstadt mit Stacheldraht und Betonblöcken abgeriegelt hatten. In der Nähe des Parlaments wurde ein Gebäude in Brand gesteckt.

Bei den Auseinandersetzungen seien seit Freitag neun Menschen ums Leben gekommen, teilte das ägyptische Gesundheitsministerium mit. Etwa 300 weitere seien verletzt worden. Der private Fernsehsender CBC zeigte Aufnahmen, auf denen Soldaten zu sehen waren, die mit Stöcken auf zwei Demonstranten einschlugen. Wiederholt traten sie auf den Kopf eines Manns und ließen ihn schließlich auf dem Gehweg liegen.

Brennende Häuser bei blutigen Straßenkämpfen in Ägypten

Brennende Häuser bei blutigen Straßenkämpfen in Ägypten

Die Soldaten durchkämmten Gebäude rund um den Tahrir-Platz, konfiszierten die Ausrüstung von Fernsehteams und nahmen einige Journalisten kurzzeitig fest. Augenzeugenberichten zufolge stürmten die Soldaten zudem ein provisorisches Krankenhaus nahe einer Moschee am Tahrir-Platz. Sie hätten Medikamente und Geräte auf die Straße geworfen und die Demonstranten vom Platz gejagt, sagte Augenzeuge Islam Mohammed.

Zwtl.: Demonstranten fordern Rückzug der Generäle aus der Politik

Die Demonstranten fordern, dass die Militärmachthaber die Macht unverzüglich an eine Zivilregierung abgeben. Bereits im November hatten Demonstranten wiederholt den Rückzug der Generäle aus der Politik verlangt. Bei mehrtägigen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und meist jugendlichen Demonstranten waren damals über 40 Menschen ums Leben gekommen.

Der ägyptische Ministerpräsident Kamal al Gansuri verteidigte das Vorgehen der Sicherheitskräfte am Samstag. Es seien zwar Menschen erschossen worden, aber nicht von Polizisten oder Soldaten, sagte der Regierungschef. “Eine Gruppe kam von hinten und hat auf die Demonstranten geschossen“, sagte al Gansuri. Er erklärte, seine Regierung stehe für die “Rettung der Revolution“, während die Demonstranten vor dem Kabinettsgebäude gegen die Revolution seien.

Für den Samstag wurden Trauerfeiern für die Opfer vom Freitag erwartet. Unter den Toten war auch Scheik Emad Effat, ein Geistlicher der renommierten Al-Ashar-Universität. Er hatte sich den Demonstranten vor dem Regierungssitz angeschlossen und war in die Brust geschossen worden. Effat galt als Fürsprecher der Proteste und hatte wiederholt das Militär kritisiert.

dapd

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