Mindestens 60 Tote bei Kämpfen in Mogadischu

Nairobi - Die Islamisten im Krisenstaat Somalia verbreiten neuen Terror. Die radikalislamische Al-Shabaab will den Friedenstruppen der Afrikanischen Union den Todesstoß versetzen. Die Einzelheiten:

Blutbad im Hotel: Bei den schwersten Kämpfen seit Monaten in der somalischen Hauptstadt Mogadischu sind mehr als 60 Menschen getötet worden, darunter mindestens sechs Parlamentsabgeordnete. Allein am Dienstag kamen bei einem Rebellenangriff gegen ein Hotel in der Nähe des Präsidentenpalastes 31 Menschen ums Leben, wie das somalische Informationsministerium mitteilte. Die Vereinten Nationen sprachen von einem “kaltblütigen, brutalen Akt“

Die islamistischen Aufständischen von Al-Shabaab, die Kontakte zum Terrornetz Al-Kaida haben sollen, führen seit Montag eine neue Offensive gegen die Friedenstruppen der Afrikanischen Union (AU), die in dem Krisenstaat stationiert sind. Die Rebellen erklärten den etwa 6000 Soldaten der AU in Somalia den “endgültigen Krieg“ und drohten damit, ihnen den Todesstoß zu versetzen.

Die schlimmsten Terroranschläge seit dem 11. September

Die schlimmsten Terroranschläge seit dem 11. September

Als Sicherheitskräfte der Regierung verkleidete Shabaab-Kämpfer stürmten nach Polizeiangaben das Hotel Muna und eröffneten das Feuer. Danach zündeten sie einen Sprengsatz, wie das Informationsministerium berichtete. Die Parlamentarier, fünf Regierungssoldaten und 20 Hotelmitarbeiter wurden getötet. Augenzeugen schilderten, der Boden sei mit Leichen übersät gewesen; in Panik hätten die Menschen versucht, den Angreifern zu entkommen.

“Sie (die Rebellen) wollen definitiv nur eines, nämlich die Menschen in Somalia terrorisieren“, sagte der somalische Informationsminister Abdirahman Omar Osman. “Dies ist eine verwerfliche Aktion in diesem heiligen Monat Ramadan.“ Das Vorgehen der Rebellen zeige deren Brutalität und Unmenschlichkeit.

“Ich rufe alle somalischen Muslime und Al-Shabaab-Kräfte auf, in den Krieg zu ziehen und die abtrünnigen Truppen und christlichen Soldaten in Mogadischu zu vernichten“, hatte Al-Shabaab-Sprecher Sheik Ali Mohamoud Rage am Montag gefordert. Am Abend begann die Rebellen-Offensive gegen Regierungseinrichtungen und Stellungen der AU-Soldaten. Augenzeugen sprachen von den schwersten Gefechten seit Monaten, bei denen auch Granatwerfer eingesetzt wurden.

Übergangsregierung nur noch wenige Stadtteile unter Kontrolle

“Die Zahl der Toten und Verletzten steigt von Minute zu Minute, und der Kampf wird heftiger“, sagte der Chef des Rettungsdienstes, Ali Muse, der Nachrichtenagentur dpa. Schon vor dem Angriff gegen das Hotel seien 29 Tote und 97 Verletzte gezählt worden. “Als wir am Abend vom Markt zurückkamen, wurden die Kämpfe heftiger und schweres Artilleriefeuer ging nieder, fünf Frauen starben auf einen Schlag“, schilderte ein Ladenbesitzer die dramatische Lage.

Ziel der Islamisten ist es, die schwache, vom Westen gestützte Regierung zu vertreiben, die in Mogadischu von Truppen der Afrikanischen Union aus Uganda und Burundi geschützt wird. Kürzlich schlug Al-Shabaab erstmals außerhalb von Somalia zu: Zum Finale der Fußballweltmeisterschaft im Juli verübten die Islamisten einen Anschlag auf Fußballfans in der ugandischen Hauptstadt Kampala - 76 Menschen kamen dabei ums Leben. Die Aufständischen sprachen von einer Vergeltungsaktion. Dies sei die Antwort auf den Einsatz der ugandischen Friedenstruppen in Somalia.

Somalia hat seit 1991 keine funktionierende Regierung mehr und versinkt mehr und mehr im Chaos. Die Al-Shabaab-Miliz kontrolliert große Teile des Landes am Horn von Afrika. Die von den Vereinten Nationen unterstützte Übergangsregierung von Präsident Sheik Sharif Ahmed hat selbst in der Hauptstadt Mogadischu nur noch einige Stadtteile unter Kontrolle.

Mehr als zwei Millionen Flüchtlinge

Mit Terror gegen die Bevölkerung und drakonischen Strafen wollen die Milizionäre einen Gottesstaat durchsetzen. Ehebrecher werden gesteinigt, Dieben wird die Hand abgehackt. Westliche Staaten stufen die Al-Shabaab-Miliz wegen ihrer Al-Kaida-Kontakte als Terrororganisation ein.

Ende Juli hatten die Staats- und Regierungschefs der AU beschlossen, die Friedenstruppe um weitere 2000 Mann zu verstärken. Nach AU-Angaben vom Montag hat die Verlegung zusätzlicher Soldaten nach Somalia bereits begonnen. Experten sagten, der Angriff gegen das Hotel könnte damit zusammenhängen: “Al-Shabaab versucht zuzuschlagen, bevor die Friedensmission ihre Truppen verstärkt.“

Mehr als 21 000 Menschen kamen seit Anfang 2007 bei Kämpfen ums Leben. Inzwischen sollen auch etwa 2000 Aufständische aus Afghanistan und Pakistan von Somalia aus operieren und Militante trainieren und finanzieren. Die Zahl der Flüchtlinge ist nach UN-Angaben inzwischen auf mehr als zwei Millionen gestiegen.

dpa

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