Republikaner nominieren Milliardär

Trump ist jetzt offiziell Präsidentschaftskandidat

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Donald Trumps Sohn ermöglichte seinem Vater formal die Mehrheit.

Cleveland - Trotz heftiger Unstimmigkeiten im Vorfeld hat der Parteikonvent der US-Republikaner Donald Trump offiziell nominiert. Damit tritt der umstrittene Milliardär im November gegen Hillary Clinton an.

Der Parteikonvent der US-Republikaner hat Donald Trump offiziell als Präsidentschaftskandidat nominiert. Nach einem monatelangen, beispiellosen Vorwahlkampf erreichte der politische Quereinsteiger in der Nacht zum Mittwoch in Cleveland die nötige Mehrheit der Delegierten.

Staat für Staat bestätigte in dem Zeremoniell lautstark, wie viele Delegierte für Trump in die Waagschale geworfen werden. Trump hatte bereits in den Vorwahlen aller Bundesstaaten die nötige Hürde von 1237 Delegierten genommen.

Entscheidenden Stimmen kamen aus dem Heimatstaat von Trump

Die formal entscheidenden Stimmen in Cleveland kamen um 19.12 Uhr Ortszeit aus New York, dem Heimatstaat des Immobilienmilliardärs. Trumps Sohn Donald Jr. verkündete sie, die Halle brach in Jubel und Gesänge aus, ein großer Videowürfel blendete Feuerwerk ein.

Eine Instrumentalversion des Frank-Sinatra-Evergreens "New York, New York" erklang dann in der Halle, und Delegierte tanzten und schwenkten die Hände, Transparente und Hüte. Danach ging die Auszählung der restlichen Bundesstaaten weiter. Die Zählung erfolgte größtenteils in der alphabetischen Reihenfolge der Staaten, doch war das Votum von New York umverlegt worden, damit der Heimatstaat des Immobilienmagnaten seine Nominierung verkünden konnte.

"Es ist unglaublich. Es ist surreal. Ich bin so stolz auf meinen Vater", sagte Trumps älteste Tochter Ivanka dem TV-Sender CNN in einem in der Tagungshalle geführten Interview. Der Immobilienmilliardär war zu diesem Zeitpunkt nicht anwesend. Er soll zum Abschluss des Parteitags am Donnerstagabend seine Kandidatenrede halten, in der er die Nominierung formell akzeptiert.

Plagiatsvorwürfe gegen Melania Trump

Der Auftakt des Parteitags war für Trump allerdings alles andere als reibungslos verlaufen. Sein Wahlkampfteam musste seine Ehefrau Melania gegen Plagiatsvorwürfe verteidigen.

Das aus Slowenien stammende Ex-Model sah sich Spott und Kritik vor allem aus den sozialen Netzwerken ausgesetzt, weil ihre Parteitagsrede am Montag in Teilen ausgerechnet von der Präsidentengattin Michelle Obama abgekupfert gewesen sein soll. Trumps Wahlkampfmanager Paul Manafort suchte den Wirbel um die Rede als "absurd" abzutun.

Außerdem war der Parteitagsbeginn durch Tumulte unter den Delegierten gestört worden, die offenbarten, wie stark der Quereinsteiger die Republikaner nach wie vor spaltet. Trump-Gegner hatten vergeblich versucht, eine Änderung der Regularien für die Kandidatennominierung zu erreichen. Als ihr Vorstoß abgewiesen wurde, brachen sie in der Halle in lautstarke Proteste aus.

Delegierte dürfen nicht frei wählen

Nach den geltenden Regeln war die große Mehrheit der Delegierten an die Ergebnisse der Vorwahlen gebunden, die Trump klar gewonnen hatte. Der abgeschmetterte Vorstoß seiner Gegner zielte darauf ab, allen Delegierten die freie Wahl zu erlauben.

Trumps Nominierung wurde dann auch nicht von allen Delegierten bejubelt. "Das ist eine inszenierte Fernsehsendung, und wir sind darin nur Statisten", machte einer der Trump-Gegner, Beau Correll aus dem Bundesstaat Virgina, seinem Unmut Luft.

Trump war zu Beginn seines Präsidentschaftsrennens von vielen Republikanern belächelt und verspottet worden, hatte dann aber mit seinen radikalen Forderungen - wie etwa dem Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko, der Ausweisung von Millionen von illegalen Einwanderern und pauschalen Einreiseverboten als Anti-Terror-Instrument - eine rasch anschwellende Anhängerschaft gewonnen. Bei der Wahl im November wird er gegen die Ex-Außenministerin Hillary Clinton antreten, die kommenden Woche von einem Parteitag der Demokraten in Philadelphia nominiert werden soll.

Pence offiziell als Kandidat für den Vizepräsidenten nominiert

Michael „Mike“ Pence ist vom Parteikonvent der US-Republikaner offiziell zum Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten nominiert worden. Der amtierende Gouverneur von Indiana wurde in der Nacht zum Mittwoch per Akklamation bestätigt. Pence muss seine Nominierung formal noch annehmen, das wird er voraussichtlich am Mittwochabend (Ortszeit) tun. Pence (57) gilt als sehr konservativ. Er soll Donald Trump helfen, Stimmen der Sozialkonservativen und der Evangelikalen zu sichern.

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dpa/AFP

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