Wurde Gaddafi mit Eisenstange gepfählt?

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Der Leichnam des getöteten libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi liegt im Oktober 2011 in der Stadt Misrata.

Berlin - Wie starb Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi wirklich? Nahost-Experte Peter Scholl-Latour behauptet: Er wurde gepfählt! Russlands Präsident Wladimir Putin warf dem Westen Beihilfe zum Mord an Gaddafi vor.

Im Gespräch mit "Welt Online" sagte Scholl-Latiour: "Gaddafi ist mit einer Eisenstange gepfählt worden." Dabei berief der Journalist sich auf französische Informationen.

Scholl-Latour hatte diese Todesart zuvor schon in der ARD-Sendung "Menschen bei Maischberger" verurteilt. In der Talk-Show am Dienstag sagte er: "Ich hätte Gaddafi eine Kugel in den Kopf gegönnt und nicht, dass er gepfählt worden ist mit einer Eisenstange. Und das ist eben eine Sauerei gewesen." Auf den Einwand von Moderatorin Sandra Maischberger, diese Hinrichtung sei schließlich im Krieg geschehen, antwortete Scholl-Latour: "Entschuldigen Sie bitte, ich bin doch kein Folterer! Stellen Sie sich mal vor: Er ist gepfählt worden, nicht wahr, im Zeichen der Demokratie!"

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"Welt Online" betont allerdings, dass es für Scholl-Latours Pfählungs-Vorwurf keine Belege gebe: "In französischen Internetforen und auf den Diskussionsplattformen der großen Zeitungen ist zwar wiederholt diese Behauptung aufgestellt worden. Andererseits gibt es zahlreiche Videos im Internet, die den Leichnam zeigen und keinerlei Rückschlüsse auf diese Behauptung zulassen." Wie die Nachrichten-Seite betont, sprächen die Indizien dafür, dass der Diktator erschossen wurde.

Nahost-Experte Peter Scholl-Latour.

In "Menschen bei Maischberger" betonte Scholl-Latour zwar: "Dass Gaddafi weg ist, ist nur zu begrüßen.". Allerdings warf er dem Westen im Umgang mit Gaddafi Heuchelei vor. "Da hat nun der Westen wirklich die größten Schandtaten begangen", sagte er. "Diese Heuchelei, die mit ihm getrieben worden ist, war abscheulich." Gaddafi sei als Staatschef auch ein international tätiger Terrorist gewesen. Das könne man von keinem anderen Staatschef behaupten. "Saddam Hussein ist nie international tätig gewesen und die anderen." Trotzdem hätten sich die westlichen Regierungschefs Gaddafi "an den Hals geworfen", kritisierte Scholl-Latour. "Und zwar alle, ohne Ausnahme, nicht wahr: Sarkozy, Schröder und Blair und die Amerikaner auch." Dann sei plötzlich sei mit den Unruhen in Tripolis und Bengazi der Wandel gekommen und Gaddafi von einem Moment zum anderen zur unerwünschten Person erklärt worden.

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Nach dem Tod des Diktators sieht Scholl-Latour die Zukunft Libyens ziemlich düster. Er befürchtet einen Bürgerkrieg im Land. Dem Land drohten ähnlich Zustände wie Somalia, das mittlerweile als zerfallener Staat gilt. "Manche befürchten, es entsteht ein Somalia an der Südküste des Mittelmeeres."  

Auch Russlands Präsident Putin erhob schwere Vorwürfe am Verhalten der westlichen Staaten in der Libyen-Krise. Konkret warf Putin dem Westen Beihilfe zum “Mord“an Gaddafi vor. “Die ganze Welt hat gesehen, wie er ermordet wurde, alles war voller Blut. Ist das Demokratie?“ Ausländische Drohnen, inklusive amerikanischer, hätten Gaddafis Konvoi attackiert, behauptete Putin. Danach hätten Sondereinheiten, die nicht in dem Gebiet hätten sein dürfen, die “sogenannten Oppositionellen und Soldaten“ über Funk verständigt. “Sie haben ihn ohne Gerichtsverfahren ermordet.“

fro/dpa

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