NSU-Prozess

„Wir haben ein klares Ziel - die absolute Macht“

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In dieser Pilsbar in Nürnberg explodierte 2006 eine Bombe.

München - Im NSU-Prozess gegen Beate Zschäpe und vier mutmaßliche Terrorhelfer hat das Gericht am Mittwoch zum letzten Mal in diesem Jahr verhandelt. Thema war eine Zeitschrift, die Hinweise für den Untergrundkampf liefert

Am letzten Verhandlungstag vor Weihnachten hat sich das Gericht im Münchner NSU-Prozess am Mittwoch mit einer rechtsextremen Zeitschrift beschäftigt, die konkrete Anweisungen für einen illegalen Kampf gegen den Staat enthält. Darin wird behauptet, die Regierung plane die „Schwächung der Volkssubstanz“, empfohlen wird ein bewaffneter Kampf in kleinen, autonomen Zellen. Die Bundesanwaltschaft wirft dem NSU zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge vor.

Herausgeber der Zeitschrift war ein früherer V-Mann des Kölner Bundesamtes für Verfassungsschutz. Sein Deckname lautete „Tarif“. Inzwischen lebt er in Schweden und hat ein Buch über seine Tätigkeit fertiggestellt.

In der Zeitschrift heißt es: „Wir haben ein klares Ziel - die absolute Macht“. Die Untergrundzellen, die dafür kämpften, sollten sich konspirativ organisieren. Nach außen sollte sich jeder so unauffällig wie möglich verhalten. „Vermeide Äußerungen zur Ausländerfrage, zum Holocaust oder ähnlichem“, rät der Autor. Stattdessen sollten Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot oder Umweltzerstörung angeprangert werden.

In einer Vernehmung bei der Bundesanwaltschaft hatte der frühere V-Mann gesagt, er hätte die Mordserie verhindern können, wenn der Verfassungsschutz seine Hinweise ernst genommen hätte. Er sei in der rechtsextremen Szene eine bundesweite Größe gewesen. Nach Einschätzung des Bundesamtes könnte er den mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos gekannt haben. Seine Zeitschrift wurde im Prozess komplett verlesen und damit als Beweismittel eingebracht.

Zeuge sagt über Bombenanschlag in Nürnberg aus

Zuvor hatte ein früherer Sprengstoffermittler des Bayerischen Landeskriminalamtes über einen Anschlag auf ein türkisches Lokal in Nürnberg ausgesagt. Diese Tat aus dem Jahr 1999 - ein Jahr vor dem ersten NSU-Mord - ist bisher nicht aufgeklärt.

Ein Putzmann hatte damals auf der Toilette eine vermeintliche Taschenlampe gefunden und versucht, sie einzuschalten. Dabei war sie explodiert, der Mann wurde verletzt. Der geständige mitangeklagte NSU-Helfer Carsten S. hatte über einen solchen Anschlag berichtet. S. hatte im Prozess vor dem Oberlandesgericht München gesagt, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hätten ihm von einer Taschenlampen-Bombe erzählt, aber sofort geschwiegen, als sich Beate Zschäpe genähert habe. Zschäpe ist die Hauptangeklagte im NSU-Prozess, Mundlos und Böhnhardt sind tot.

Der NSU-Prozess wird am 12. Januar 2015 fortgesetzt. Erstmals in dem seit mehr als eineinhalb Jahren andauernden Verfahren wird es dann um einen Nagelbombenanschlag an der Kölner Keupstraße gehen, bei dem 22 Menschen teils schwer verletzt wurden.

dpa

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