Plant Griechenland Klage gegen kompletten Siemens-Ex-Vorstand?

München - Die Staatsanwaltschaft in Athen bereitet einem Magazinbericht zufolge offenbar eine Anklage gegen die früheren Vorstandsmitglieder des Technologiekonzerns Siemens vor.

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins “Focus“ sollen sich möglicherweise sämtliche Manager, die zwischen 1997 und 2003 den Siemens-Vorstand stellten, in Griechenland wegen “Bildung einer kriminellen Vereinigung“ verantworten.

Die griechische Justiz ermittelt schon seit Jahren wegen Schmiergeldzahlungen im Zusammenhang mit dem Verkauf von digitaler Telefontechnik und Großaufträgen bei der Planung der Olympischen Spiele in Athen. Erst vor wenigen Tagen hatten die griechischen Behörden einen Haftbefehl gegen den früheren Siemens-Vorstand Volker Jung erlassen, der das Land unerlaubt verlassen hat.

Im Mai war bekanntgeworden, dass sich Siemens vor dem Hintergrund der Schmiergeld-Affäre mit dem ehemaligen Griechenland-Chef Michael Christoforakos außergerichtlich auf Schadenersatzzahlungen in Höhe von 1,2 Millionen Euro geeinigt hat. Der Deutsche mit griechischem Pass war im vergangenen Jahr mit internationalem Haftbefehl gesucht und nach seiner Festnahme für mehrere Monate inhaftiert worden. Ermittler hatten ihm vorgeworfen, während seiner Amtszeit griechische Politiker geschmiert zu haben, um Siemens Aufträge zu sichern.

In die Affäre bei dem DAX-Konzern waren zahlreiche hochrangige Manager des Konzerns verwickelt, darunter der Ex-Vorstandsvorsitzende Heinrich von Pierer. Im Zuge der Korruptionsaffäre waren bei Siemens 1,3 Milliarden Euro in dunklen Kanälen versickert, das meiste wohl für Schmiergeldzahlungen im Ausland. Die Schmiergeldaffäre soll den Konzern mehr als zwei Milliarden Euro an Strafzahlungen und Anwaltshonoraren gekostet haben.

dapd

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