Nach Protesten: Fraport geht selbst demonstrieren

Frankfurt - Beim Ausbau des Frankfurter Flughafens haben alle die Proteste lärmgeplagter Menschen unterschätzt. Montag für Montag hat der Betreiber Fraport Tausende wütender Bürger im Haus. Nun wird zurückdemonstriert.

Stefan Schulte (51) ist voller Verständnis. Er könne die Sorgen und Nöte der lärmgeplagten Menschen rund um den Frankfurter Flughafen sehr gut verstehen, bekundet er bei jeder Gelegenheit. Dennoch gebe es keine Alternative zum Ausbau, denn er bedeute Wirtschaftskraft und mehr sichere Jobs, unterstreicht der Fraport-Vorstandschef immer wieder. Lange trat Schulte damit nicht offensiv in der Öffentlichkeit auf, die direkte Begegnung mit den Demonstranten im Flughafenterminal mied er.

In diesen Tagen ist Schulte viel mit dem Auto in der näheren Umgebung unterwegs. Fluglärmgipfel bei der hessischen Landesregierung in Wiesbaden mit Kollegen von Lufthansa und Flugsicherung, Besuch beim Wiesbadener Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU), Studiotermin beim hr zum einstündigen Live-Chat. Einziges Thema: Fluglärm.

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Darum ging es auch in einem persönlichen Brief Schultes, den Fraport per Postwurfsendung an rund eine Million Haushalte in der Region verteilen ließ. Darin heißt es: „Man muss die Sorgen und Klagen der Menschen ernst nehmen - und wir tun das!“ Mit Hochdruck werde an Lösungen gearbeitet, die den Menschen in der Region helfen.

„Charmeoffensive“, titelte die „Frankfurter Neue Presse“. Nach den Worten von Fraport-Sprecher Jürgen Harrer läuft seit Mitte Dezember eine „sehr intensive Umlandkommunikation“, um der Region die Argumente des Unternehmens und die Bedeutung des Flughafens zu erklären. Schulte habe in mehreren Zeitungsinterviews Rede und Antwort gestanden, regelmäßig spreche der Vorstand mit Bürgermeistern, Kontakt zu den Bürgerinitiativen gebe es per Mail und mit einem Info-Bus.

Die Lärmgegner vermissen allerdings konkrete Zusagen: Dass Schulte den Menschen sage, er nehme ihre Sorgen ernst, reiche nicht, schrieb der Offenbacher Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) in einem offenen Brief als Antwort auf die Fraport-Wurfsendung. Unbeantwortet blieben Fragen nach der tatsächlichen Zahl der künftigen Flugbewegungen und wirksamer Entlastung beim Lärm. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) habe klar gesagt, dass es in unmittelbarer Nähe der Start- und Landebahnen nicht leiser werde.

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Ingrid Kopp, Sprecherin des Bündnisses von Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau, kann in dem Schreiben Schultes ebenfalls nichts Neues erkennen: „Schulte müsste mit konkreten Vorschlägen kommen, aber keiner hat eine Lösung, mit der er an die Bürger gehen könnte“, sagt sie. Die Zunahme des Flugverkehrs habe noch gar nicht begonnen - „jeder versucht, darum herumzureden.“ Bis auf weiteres werde es Montags-Demos im Terminal geben. Zu den Protesten, die regelmäßig Tausende anziehen, sagt Fraport-Sprecher Harrer knapp: „Das haben wir zu akzeptieren.“

Am 1. März will Schulte auf einer Kundgebung der Initiative „Ja zu FRA“ sprechen, die Fraport gemeinsam mit Lufthansa und Condor gegründet hat. An der Demonstration auf dem Frankfurter Römerberg sollen auch Arbeitnehmer teilnehmen. „Fraport fällt nichts besseres ein, als Angestellte auf die Straße zu schicken“, sagt Ingrid Kopp dazu. „Das ist Humbug“, sagt Fraport-Sprecher Harrer. Die Arbeitnehmer könnten freiwillig in ihrer Freizeit teilnehmen, bezahlt würden sie dafür nicht. Keine zwei Wochen später - am 13. März - will das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig über die Flughafenerweiterung verhandeln - ob es dann volle Klarheit für die eine oder andere Seite gibt, ist ungewiss.

Dass der neue Fraport-Berater Dirk Metz hinter der auffällig gewachsenen öffentlichen Aktivität der Unternehmensspitze steckt, weist Harrer zurück. Metz sei „ein Kommunikationsprofi, der sich mit allen Aspekten des Flughafens auskennt“, sagte Harrer kürzlich. Hessens früherer Regierungssprecher, der über zehn Jahre lang für den früheren Ministerpräsidenten Roland Koch arbeitete, kennt das Thema aus dieser Zeit sehr gut. Mit Rücksicht auf seinen Auftraggeber will sich Metz aber nicht zur Fluglärm-Diskussion äußern. „Ich berate, aber ich spreche nicht für die Fraport“, sagte er.

dpa

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