Wegen Zafira-Verlagerung

Opel-Betriebsratschef wehrt sich gegen Vorwürfe

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In Bochum werden ab 2015 keine Opel-Zafira mehr produziert.

Rüsselsheim/Bochum - Schuldzuweisungen und Vorwürfe: Nach dem angekündigten Ende der Auto-Produktion in Bochum sind die Opel-Betriebsräte tief zerstritten. Verbal wird ordentlich ausgeteilt.

Der Opel-Gesamtbetriebsrat wirft dem Bochumer Kollegen Rainer Einenkel im Ringen um die Zukunft des Ruhrgebiet-Standorts „katastrophale Fehleinschätzungen“ vor. In den Verhandlungen über den Sanierungstarifvertrag für den Autobauer sei immer klar gewesen, dass die Produktion des Familienwagens Zafira Ende 2014 aus Bochum abgezogen werde, wenn es am Ende der Gespräche keinen Vertrag für alle Standorte gebe, schreibt Opel-Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug in einem Brief an die Bochumer Belegschaft.

Die Beschäftigten in Bochum lehnten den Plan jedoch ab. Der angeschlagene Autobauer hatte daraufhin entschieden, die Produktion des Zafira Tourer Anfang 2015 von Bochum ins Stammwerk Rüsselsheim zu verlagern.

Schäfer-Klug betonte in dem am Mittwoch veröffentlichten Brief: „Dass im Verhandlungsprozess Teile des Bochumer Betriebsrates die Drohung des Unternehmens, den Zafira zu verlagern, offensichtlich nicht ausreichend ernst genommen, dies als leere Drohung bewertet und somit letztlich ein wichtiges Ergebnis des Sanierungstarifvertrages als wertlos dargestellt haben, stellt sich nun als katastrophale Fehleinschätzung heraus.“

Einenkel wirft Schäfer-Klug Feigheit vor

Gleichzeitig warf Schäfer-Klug dem Betriebsrat in Bochum vor, der Rüsselsheimer Belegschaft im Zusammenhang mit der Zafira-Verlagerung nach Hessen unterschwellig mangelnde Solidarität zu unterstellen. Er kündigte außerdem an, die Belegschaftsversammlung der Bochumer Opelaner am 10. Juni nicht zu besuchen, weil „die Rahmenbedingungen für einen fairen und konstruktiven Austausch von vorneherein nicht gegeben sind“. Stattdessen wolle er einer Einladung der nordrhein-westfälischen IG Metall zu einer Vertrauensleuteversammlung zu einem späteren Zeitpunkt folgen.

Der Bochumer Betriebsratschef Einenkel reagierte empört auf das Schreiben. „Das Verhalten des Gesamtbetriebsratsvorsitzenden ist in den Augen der Menschen im Ruhrgebiet feige“, sagte er auf Anfrage. Schäfer-Klug verweigere das Gespräch mit den Menschen in der Region. Gleichzeitig wiederholte Einenkel seinen Appell für mehr Solidarität aus Rüsselsheim: „Wenn ein Werk die Produktion eines anderen Werkes übernimmt und dieses Werk dann geschlossen wird, dann müssen die Standorte dies gemeinsam und solidarisch verhindern“.

Die Bochumer Opel-Belegschaft hatte den mit der IG Metall ausgehandelten Sanierungsplan im März mit großer Mehrheit abgelehnt. Er sah ein Auslaufen der Produktion erst Ende 2016 und Investitionen in Ersatzarbeitsplätze vor.

dpa

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