Das Aus für den Kaufhausriesen Hertie

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Die insolvente Warenhauskette Hertie wird nicht gerettet.

Essen - Die Gläubiger haben Hertie nicht vor dem Aus gerettet: Bei ihrer Versammlung beschlossen sie die Schließung der 54 Filialen des Kaufhausriesens sowie der Konzernzentrale. Es folgt ein zweimonatiger Ausverkauf.

Rund 2.600 Mitarbeiter verlieren damit ihren Arbeitsplatz. Allerdings kommt das “Aus“ nicht sofort. Der Abverkauf der restlichen Waren werde voraussichtlich noch zwei Monate dauern, hieß es im Unternehmen. Nach den Plänen des Insolvenzverwalters sollen nun in allen Filialen Schlussverkäufe über einen Zeitraum von voraussichtlich zwei Monaten durchgeführt werden.

Hertie-Insolvenzverwalter Biner Bähr hatte der Gläubigerversammlung die endgültige Schließung der Warenhauskette empfohlen. Er sehe keine Chance für eine Fortführung des Unternehmens. Denn er habe keine Hoffnung mehr, noch mit Dawnay Day zu einer Einigung über neue Mietverträge für die Mehrzahl der Warenhäuser zu kommen.

Zuvor war eine interessierte Investorengruppe abgesprungen, weil keine Einigung mit dem Gesellschafter Dawnay Day über die Mietverträge für die Kaufhäuser zu erzielen war, wie es hieß. Betroffen von dem Aus sind nach Angaben des Insolvenzverwalters noch 2.600 Mitarbeiter. Die Abwicklung dürfte sich einige Zeit hinziehen. Erst im Sommer würden die letzten Filialen die Tore schließen, sagte ein Sprecher.

Ein Hertie-Sprecher erklärte, der britische Finanzinvestor Dawnay Day, der die Hertie-Warenhäuser 2005 von KarstadtQuelle übernommen hatte, sei nicht bereit gewesen, Mietverträge zu marktüblichen Konditionen und mit ausreichenden Laufzeiten abzuschließen.

Mit neuem Investor waren bereits Eckpunkte geklärt

Zuvor hatte es geheißen, zuletzt sei es weniger um die Höhe der Miete gegangen als um die Forderung der Immobilienbesitzer, die Mietverträge jederzeit kurzfristig kündigen zu können. Hertie erklärte, die neue Investorengruppe habe sich mit dem Insolvenzverwalter bereits Mitte April über die Eckdaten zur Übernahme von Hertie geeinigt.

Insolvenzverwalter Bähr bedauerte, dass seine Versuche gescheitert seien, das Unternehmen mit neuen Investoren weiterzuführen. Er betonte: “Wir haben für Hertie Zukunftschancen eröffnet.“ Gemeinsam mit den Mitarbeitern seien die Warenhäuser strategisch neu ausgerichtet und auf tragfähige Füße gestellt worden. Es sei “bedrückend, dass der Erhalt der Warenhäuser und der 2.600 Arbeitsplätze gleichwohl an der wirtschaftlich nicht nachzuvollziehenden Weigerung von Dawnay Day scheitert, sich mit den Investoren auf vernünftige Mietkonditionen zu einigen“.

Hertie hatte im Juli vergangenen Jahres Insolvenz angemeldet, nachdem Gespräche über eine finanzielle Neustrukturierung des Unternehmens gescheitert waren. Hertie begründete die Probleme mit der angespannten Lage beim Investor Dawnay Day, der die Kaufhäuser 2005 vom damaligen KarstadtQuelle-Konzern übernommen hatte, und mit überhöhten Mieten für die Warenhäuser.

AP

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