Take That: So klingt das neue Album

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Take That sind wieder zu fünft

Berlin - Mit den ersten Takten des neuen Albums von Take That dürfen treue Fans die Taschentücher wieder herausholen: Es ist alles wieder wie früher.

Die Zeitmaschine gibt es doch. Sie ist flach, Kanarienvogel-Gelb und heißt “Progress“. Das neue Album von Take That macht exakt dort weiter, wo die Boygroup einst die Herzen ihrer Teenie-Fans brach. Entwaffnend eingängige Melodien, druckvolle Tanz-Rhythmen und rührselige Balladen. Und die Hauptattraktion: Der einst im Streit ausgescherte Pop-Rüpel Robbie Williams ist zurück.

Es ist ein sicheres Erfolgsrezept, mit dem nicht viel schiefgehen kann. Im Heimatland Großbritannien stürmte “Progress“ an die Spitze der Charts mit 235 000 verkauften Exemplaren am ersten Tag - das beste Ergebnis seit dem Start von Oasis' “Be Here Now“ 1997. Ein beachtliches Ergebnis in Zeiten sinkender Musikverkäufe.

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Die Ironie an der Geschichte: Zuletzt brauchte Robbie Williams, der Pop-Superstar mit der großen Klappe, seine früheren Bandkollegen mehr als sie ihn. Spätestens seit Robbies jüngste Solo-Alben von Käufern und Kritikern eher lauwarm aufgenommen wurden, war klar, dass die große Wiedervereinigung nur noch eine Frage der Zeit war. Die Band hatte sich unterdessen seit 2006 auch zu viert in die Herzen der Fans zurückgesungen. Und sie machten obendrein etwas reifere Musik als auf “Progress“, auch wenn der Name (Fortschritt) vermitteln soll, dass sich Take That weiterentwickelt hat.

Begraben scheint nun die erbitterte Rivalität von Williams und Gary Barlow, dem musikalischen Kopf der Band, aus den 90er Jahren. Nach Robbies lautem Ausstieg 1995 und der Take-That-Auflösung im Jahr danach traten die beiden Säulen der Boygroup gegeneinander Solo an. Und Gary, der gefühlvolle nette Junge von nebenan, ging gnadenlos gegen den frechen Draufgänger Robbie unter. Wer glaubt, dass Mädchen eher auf böse Jungs stehen, durfte sich wieder einmal bestätigt fühlen.

Erst zehn Jahre später, als die Teenager von damals erwachsen waren, schlug Garys große Stunde. Während Williams gegen Schlagzeilen über ein angeblich kaputtes Leben und den Chart-Abstieg kämpfte, zimmerte Barlow Take That wieder zusammen. Der stolze Robbie wollte da noch nicht mitmachen. Inzwischen scheint auch er dem wilden Leben entsagt zu haben: Er singt nicht nur wieder bei Take That, sondern heiratete im Sommer auch seine langjährige Freundin Ayda Field.

Für “Progress“ gingen Barlow (39) und Williams (36) Kompromisse ein, und das macht das Album manchmal auch so uneben. Mal der blumige Teenie-Pop mit einem Hauch von Kitsch, mal Williams' zynisch angehauchte Abgeklärtheit, die vor allem in den Texten durchscheint. Und beim Gesang ist das Album eine Robbie-Show: Bei den meisten Songs durfte er den Haupt-Part übernehmen. Mark Owen, Jason Orange, Howard Donald mussten sich wieder vor allem auf den Background-Gesang konzentrieren.

dpa

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