Hessenweite Zahl liegt mit 56 ebenfalls niedrig

2016 gab es eine einzige Organspende im Kreis

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Werra-Meißner. In Hessen hat es im vergangenen Jahr 56 Organspenden gegeben, eine davon in Eschwege. Bundesweit waren es 3708 Transplantationen. Das zeigen aktuelle Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die hessenweiten Zahlen nicht verändert.

Diese niedrigen Zahlen hängen nicht erst mit den Skandalen im Bereich der Organspenden zusammen (siehe Hintergrund), sagt Dr. Stefan Selhorst-Kiss, Chefarzt der Anästhesie am Standort Eschwege des Klinikums Werra-Meißner und Transplantationsbeauftragter. „Schon in den Jahren zuvor war eine massiv abnehmende Spenderbereitschaft in Deutschland festzustellen.“ Es wäre jedoch wünschenswert, wenn sich jeder aktiv mit der Frage nach einer möglichen Organspende im Todesfall auseinandersetzen würde, „indem man das durch einen Organspendeausweis dokumentiert“ – denn die meisten von den 10 128 Patienten, die Ende 2016 auf der Warteliste standen, würden sterben, ohne ein passendes Spenderorgan bekommen zu haben.

Gespendet werden können die Organe dann, wenn der Hirntod des Spenders festgestellt worden ist, sagt Dr. Selhorst-Kiss. „In diesem Zustand ist die Funktionsfähigkeit der eventuell zu spendenden Organe dann nur durch eine komplette maschinelle und intensivmedizinische Unterstützung zu gewährleisten“, die in der Regel einige Tage aufrecht erhalten werden könne.

Das könne jedoch auch Komplikationen mit sich bringen: Je mehr Patientenverfügungen es gebe, die den Ausschluss von Intensivmaßnahmen wie einer künstlichen Beatmung und Wiederbelebung zum Inhalt haben, desto weniger Organspenden kann es auch geben. „In der Patientenverfügung muss die Organspende dann besonders vermerkt werden“, sagt der Transplantationsbeauftragte. 
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