Für ein Lebensende in Würde

2022 könnte ein stationäres Hospiz in Eschwege Wirklichkeit werden

Eschwege – Zum ersten Mal nimmt ein stationäres Hospiz im Werra-Meißner-Kreis konkrete Formen an. 2021/2022 könnte das Projekt an den Start gehen.

Angetrieben durch das Hospiz- und Palliativnetz Werra-Meißner, den Hospizverein Eschwege und den Förderverein hat eine Projektgruppe die Planungen so weit vorangebracht wie noch nie – und das, obwohl es schon drei Anläufe für die Errichtung gab.

Standort

Zurzeit wird nach einem geeigneten Grundstück für den Bau der Einrichtung gesucht. Mindestens 4000 Quadratmeter sollte das Areal groß sein und Infrastruktureinrichtungen in unmittelbarer Nähe vorfinden. „Die Wahl des Standorts ist auf Eschwege gefallen, weil die Kreisstadt zentral liegt und hier alle Gegebenheiten erfüllt sind“, sagt Dr. Andreas Höch aus dem Vorstand der Hospizgruppe. Die Planer haben bereits ein Grundstück in Aussicht. Jetzt müssen noch bürokratische Hürden genommen werden.

Bedarf

Der Bedarf eines stationären Hospizes im Kreis ist gegeben. Das hat eine Analyse ergeben. Die nächsten Einrichtungen dieser Art befinden sich in Kassel, Göttingen, Eisenach oder Hann. Münden. „Menschen in der letzten Phase ihres Lebens wollen wohnortnah versorgt werden“, sagt Anita Menda, Vorsitzende der Hospizgruppe Eschwege. Aufgrund des Einzugsgebietes sind acht Betten vorgesehen. Auf rund 280 Quadratmetern soll neben Gästezimmern auch Platz für Angehörige, die Leitung und die Pflegedienstleitung entstehen.

Vorteile

Das stationäre Hospiz Werra-Meißner soll ein Ort werden, an dem Menschen in Würde ihr Lebensende verbringen können. „Die wenigsten wollen im Krankenhaus sterben, manche Sterbenden wollen auch zu Hause niemandem zur Last fallen“, erklärt Brigitte Kiese vom Hospiz- und Palliativnetz. Das stationäre Hospiz solle keine Konkurrenz zu den bereits bestehenden ambulanten Hospizdiensten sein – eher eine Ergänzung. „Der Vorteil eines stationären Hospiz ist, dass die Betreuung rund um die Uhr gewährleistet wird und auch die Betreuer immer jemanden im Rücken haben“, sagt Ulrike Mathias vom Pflegestützpunkt des Werra-Meißner-Kreises.

Finanzierung

Das stationäre Hospiz soll durch einen Träger geführt werden. Der Arbeitskreis Gemeindenahe Gesundheitsversorgung (AKGG) aus Kassel würde sich um Bau und Betrieb kümmern. Er trägt 95 Prozent der Kosten und rechnet mit den Krankenkassen ab. Fünf Prozent des Budgets übernimmt der Förderverein. „Die Kostenlücke ist extra vorgesehen, damit das Betreiben eines Hospizes immer ohne Gewinnerzielungsabsicht erfolgt“, erklärt Philipp Jost, Vorsitzender des Fördervereins. Der Verein wird sich jedes Jahr mit etwa 50- bis 100 000 Euro an den laufenden Kosten beteiligen. Dafür verwenden sie Spenden und die Mitgliedsbeiträge. Privatpersonen zahlen 24 Euro im Jahr, Unternehmen 100 Euro.

Die reinen Baukosten des stationären Hospizes belaufen sich auf 2,5 bis drei Millionen Euro. Der Aufenthalt im Hospiz ist für die Gäste – wie die Patienten genannt werden – kostenlos. Ein Arzt muss die Patienten einweisen, die Geschäftsführung entscheidet, wer einen Platz in Eschwege bekommt.

Die Hospizgruppe Eschwege

Der Hospizverein Eschwege hat sich 1996 gegründet. Durch vielfältige Informationsveranstaltungen zum Thema haben sie die Hospizidee in die Bevölkerung getragen. Seit 2001 leitet neben dem Vorstand eine hauptamtliche Koordinatorin die Geschicke des Vereins. Mittlerweile gibt es seit 2013 drei hauptamtliche Koordinatorinnen, die für die Bereiche Eschwege, Sontra und Wanfried zuständig sind. Der Hospizverein bietet Trauerbegleitung, Beratung, Patientenverfügungen, ein Angebot für Trauernde, Fortbildungen und Vorträge sowie eine Bücherrei und einen Flohmarkt zur Finanzierung an.

Das Hospiz- und Palliativnetz

Das Hospiz- und Palliativnetz Werra-Meißner ist ein Zusammenschluss von Einzelpersonen und Institutionen, die an der Versorgung von Menschen mit einer begrenzten Lebenserwartung mitarbeiten und eine Palette von Angeboten schaffen, um diesen Lebensabschnitt so gut wie möglich zu gestalten. Dem Netzwerk gehören unter anderem Haus- und Fachärzte, Palliativmediziner, Pflegedienste, Pflegeheime, Hospizdienste, therapeutische Einrichtungen oder Pfarrer an. Zu den Aufgaben gehören die Beratung von Betroffenen und Angehörigen, die Schulung von Pflegekräften sowie die Organisation von Fachveranstaltungen.

Der Förderverein

Im Mai vergangenen Jahres hat sich der Förderverein für das stationäre Hospiz im Werra-Meißner-Kreis gegründet. Mittlerweile unterstützen 81 Menschen und Organisationen den Förderverein. Der Verein sammelt Spenden und Beiträge für die Finanzierung des stationären Hospiz, versucht aber auch das Thema der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Föderverein ist immer notwendig (außer das Hospiz beruht auf einer eigenen Stiftung), da die Krankenkassen nur 95 Prozent der erstattungsfähigen Kosten tragen. Der Zweck ist somit, die strukturelle Kostenlücke, die im mittleren fünfstelligen Bereich liegt, zu füllen.

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